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Sonntag, 05.02.2012 05:39

Erdgeschichte

Vor etwa 370 Millionen Jahren im geologischen Zeitalter "Devon" waren weite Teile unseres heutigen Europas von Wasser bedeckt. In den ruhigeren, tiefen Stellen des Meeres sank feiner Ton und Schlick zu Boden und bildete in unserem Raum eine Mächtigkeit von stellenweise bis zu 500 m. Hier lebten kleine Wassertiere wie Cephalopoden und Trilobiten. Wenn sie starben, überdeckte sie der Schlamm und ihr "Panzer" wurde oft mit Pyrit (Schwefelkies) ummantelt und so bis zur heutigen Zeit gut erhalten. Aufgrund dieser pyritisierten Fossilien ist der "Wissenbacher Schiefer" weltbekannt geworden. Im Laufe der Jahrtausende verdichtete sich der Schlamm zu einer fast festen Gesteinsschicht, als Erdplattenverschiebungen Millionen Jahre später bei der Bildung des Variskischen Gebirges im beginnenden Zeitalter Karbon die Schieferlager auftürmten.

Bergmännische Nutzung

Durch die gute Spaltbarkeit und Festigkeit hat man schon früh den Wert des Schiefers für Dach- und Wandbedeckung erkannt und in der Gemarkung Wissenbach bergmännisch gewonnen. In der Beschreibung des "Herzogtums Nassau" von Ch. D. Vogel werden auf Seite 407 zwei Schiefergruben am Eschenburger Hang um 1450 beschrieben. Nähere Angaben hierzu sind leider nicht zu machen, und so taucht dann dreihundert Jahre später im Tagebuch eines Wissenbacher Bürgers folgende Notiz auf: "Haben wir in der Hardt an dem Bergwerk angefangen zu arbeiten. Gott wolle seinen Segen zu solchem Werk geben, und verleihen, daß wir nicht vergeblich daran mögen arbeiten ...." (19.12.1726).

1768 begannen der Wissenbacher Bürger Jost Heinrich Lückoff und Conrad Manderbach unter Beteiligung eines Dillenburger Steindeckers Schiefer abzubauen. Schon in dieser Zeit unterstand die Schiefergewinnung dem Landesherren von Nassau. Seit dieser Zeit werden in der Grube Batzbach nahezu ununterbrochen die Schieferlagen für die Gewinnung von Dachschiefer abgebaut. Anfangs wurde im Tagebau abgebaut. Als die obertägigen Vorkommen erschöpft waren, trieb man Stollen in die Erde. Die Betriebe wurden durch regelmäßige Befahrung der Bergmeister überwacht, und so berichtet der Fürstlich-Oranien-Nassauische Bergsekretär Johann Phillip Becker im Jahre 1789:

"Die Schieferbrüche sind zwischen drei und vier Lachter (6 bis 8 m) tief und Stollen führen die Wasser ab. An den Schiefern ist nachher unter den Stollen noch niedergegangen, worin man die Wasser mit einer Pumpe zu Sumpf hält. Das Schieferbrechen wich von der gewöhnlichen und anderwärts schon beschriebenen Methode nicht besonders ab. In das vierte Teil oder die Hälfte einer Bank, je nachdem wie stark sie ist, werden eiserne Keile getrieben, so daß solche just da bricht, wo sie eine der Klüfte durchschneidet. Ist sie auf diese Weise losgetrennt und liegt auf der Sohle, wird sie weiter mit Keilen in solche Stücke gespalten, die sich in einem Karren aus der Grube transportieren lassen. Am Tage geschieht hernach das Zerteilen und Reißen, so weit, bis sie Form und Größe der zum Dachdecken gebräuchlichen Schiefersteine haben. Nachher werden sie auf der Halde in Reiße gestellt, wovon jedes sechs Schuh lang ist und für 36 Kreuzer verkauft wird".  Um 1874 wuchs die Belegschaft bis auf 88 Mann und erreichte somit die höchste Stärke in der Geschichte der Schiefergrube. Es konnte in diesem Jahr eine Leistung von 20722 lfm Dachschiefer erreicht werden. Der Lohn pro Schicht betrug 1,60 RM.

Leider gingen in den nächsten Jahren Nachfrage und Belegschaft zurück und selbst die 1891 gebaute Eisenbahnlinie Dillenburg - Straßebersbach brachte keinen spürbaren Aufschwung. Im Jahre 1919 übernahm der Dachdeckermeister Albert Steinmetz aus Siegen die Grube. Die um 1930 einsetzende allgemeine Arbeitslosigkeit, die Einführung des "Kunstschiefers" (Asbestschiefer) und der Druck aus dem In- und Ausland bereiteten dem Wissenbacher Schiefer erhebliche Schwierigkeiten zum Überleben. 1931 wurde die Handbohrarbeit mit Schägel und Bohreisen von Preßluft abgelöst, was eine unglaubliche Erleichterung der Bohrarbeit erbrachte. 1933 wurden die Kuxe der Grube vom Apotheker Wilhelm Busch, dem Dachdeckermeister Walter Heupel aus Straßebersbach sowie von Lois Weber und Heinrich Richter aus Dillenburg übernommen. 1937 war dann noch Wilhelm Busch alleiniger Besitzer der Anteile.

So wie die Besitzer wechselten, schwankten auch Produktion und Absatz und so wurde dann der Betrieb 1942 von der Gewerkschaft "Gutfreund" der Familie Giebeler aus Siegen übernommen. In den ersten Jahren des zweiten Weltkrieges wurden sieben Hauer in die Eisenerzgruben der Schelde verpflichtet. Durch die Bomben der Alliierten stieg der Bedarf an Dachschiefer wieder enorm und konnte durch die reduzierte Belegschaft nicht erfüllt werden. In den letzten Kriegstagen suchten die Einwohner von Wissenbach im Stollen Schutz vor dem anrückenden Feind. Nach Beendigung des Krieges fanden sich die Bergleute wieder auf der Grube ein und produzierten im hergebrachten Verfahren. Durch die sich nun in Deutschland und im Ausland entwickelnde Dachpappeindustrie entstand ein Bedarf an Schiefermehl und Schiefersplitt. Mit dem Mehl wurde der Bitumen verfestigt und der feine Splitt diente zur Bestreuung. Über zwei Jahrhunderte und wohl noch länger haben Bergleute aus diesem Raum unter der Eschenburg mit harter und gefahrvoller Arbeit ihr Brot verdient und manche mußten ihr Leben dabei opfern.

Ihnen, soweit aufgezeichnet, sei an dieser Stelle in Dankbarkeit gedacht:

Es ereilte den Bergmanstod durch Steinfall im Abbau:
Hauer J. Lückoff Wissenbach 28.09.1830
Hauer J. J. Debus Wissenbach 13.05.1853
W. Bastian Wissenbach 11.08.1862
Hauer Rudolf Schäfer Wissenbach 19.03.1947
Hauer Albrecht Peter Frohnhausen  
Hauer Leo Grzonka Simmersbach 01.02.1965
Betriebsführer Rudolf Hirmer Dillenburg  

Das Ende

Ende 1984 wurde der gesamte Betrieb - Werkzeugbau, Kunststoffpresserei, Grube und Mahlwerk - von dem Dillenburger Unternehmer Schoof übernommen.

Von 1989 bis 1996 blieb der Untertagebetrieb gestundet um dann 1997 gänzlich stillgelegt zu werden.
Der Stollen wurde vom Stollenmundloch aus auf eine Länge von ca. 17 m zugefüllt, verdichtet und die ehemals darüberführende Straße wieder als solche ausgebaut. Das Tagesüberhauhen und der Stollen oberhalb des Batzbachstollens wurden so hergerichtet, daß Fledermäuse wie einst und je im Grubengebäude überwintern können