Zweihundert Jahre Wissenbacher Dachschiefer 1768 - 1968
Einleitung
Nur wenige Kilometer nordöstlich der Oranierstadt Dillenburg liegt im Dietzhölztal am Fuße der Eschenburg das bei Bergleuten und Geologen gut bekannte Dörfchen Wissenbach. Bekannt durch seine Schiefer, die mit dem Namen "Wissenbacher Schiefer" in die geologische Literatur eingegangen sind.Schon vor langer Zeit hatten die alten Bergleute im Wissenbacher Raum entdeckt, daß in dem unterhalb der Eschenburg zu Tage austretenden Gestein Schieferbänke eingebettet waren, die sich vorzüglich zur Herstellung von Schiefersteinen für die Dachbedeckung eigneten. Wagemutige Einwohner von Wissenbach gingen schließlich daran,im Jahre 1768 in kleinen Brüchen diese Schieferbänke freizulegen und mit den zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden einfachsten Hilfsmitteln die Steine zu gewinnen, um sie nach entsprechender Weiterverarbeitung als Dachschiefer zu verkaufen.
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Der Fürstlich-Oranien-Nassauische Bergsekretär Johann Philipp Becher berichtet 1789 hierüber:
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Die Schieferbrüche sind zwischen drei und vier Lachter tief, und Stollen führen die Wasser ab. An den Schiefern ist nachher unter den Stollen noch niedergegangen, worin man die Wasser mit einer Pumpe zu Sumpf hält.
Das Schieferbrechen weicht von der gewöhnlichen, und ander wärts schon beschriebenen Methode nicht besonders ab.In das vierte Teil oder die Hälfte einer Bank, je nachdem sie stark ist, werden eiserne Keile getrieben, so daß solche just da bricht, wo sie eine der Klüfte durchschneidet.Ist sie auf diese Weise losgetrennt, und liegt auf der Sohle, wird sie weiter mit Keilen in solche Stücke gespalten, die sich in einem Karrn aus der Grube transportieren lassen. Am Tage geschieht hernach das Zerteilen und Reißen, so weit, bis sie Form und Größe der zum Dachdecken gebräuchlichen Schiefersteine haben. Nachher werden sie auf der Halde in Reiße gestellt, wovon jedes 6 Schuh lang ist, und für 36 Kreuzer verkauft wird."
Es genügt jedoch nicht, sich einfach der Steine zu bemächtigen. Auch in dieser Zeit schon stand die Schiefergewinnung ebenso wie der übrige Bergbau in dem Nassauer Land unter der Hoheit des Landesherren, der schon am 1. September 1559 eine Bergordnung erlassen hatte, die auch für den Raum Dillenburg maß gebend war. Da der Bergbau im Dillenburger Land in hoher Blüte stand, war durch Verordnung vom 12. März 1765 für die Oranieen-Nassauischen Lande in Dillenburg eine Berg- und Hüttencommission als untere Bergbehörde eingesetzt. Dieser Commission mußten auch die Betreiber der Schieferbrüche laufend manche Angaben über die Gewinnung und Verwertung des Schiefers, die Unkosten und den Ertrag sowie über die Bergleute selbst und auch über besondere Ereignisse im Betrieb machen. Die Betriebe wurden durch regelmäßige Befahrung durch den Bergmeister oder seine Beauftragten überwacht und die verantwortlichen Betriebsbeamten zu diesem oder jenem angehalten.
Auch die Auferlegung von Bußgeldern bei Nichtbeachtung der Bergordnung oder ergangener Anweisungen blieb oft nicht aus. Dank dieser Verwaltung, die uns gründliche Aufzeichnungen hinterlassen hat, können wir heute erfahren, welche Arbeiten in den letzten zwei Jahrhunderten bei Wissenbach am Hang des Satzberges sowie des Lampertsberges, unweit der Eschenburg durch fleißige Berg?mannshände verrichtet worden sind.
Geschichtliches
Das heutige Grubenfeld Batzbach ist durch Consolidationsurkunde vom 07.12.1861 aus den Grubenfeldern Batzbach, Spirula, Vor der Hecke und cons. Lampertsberg, das bereits am 06.02.1822 aus den Feldern Alter Lampertsberg und Neuer Lampertsberg gebildet worden war, entstanden und am 24.05.1871 zur jetzigen Fläche von rd. 1.000.000 qm erweitert worden.
Es überdeckt den Westhang des Höhenzuges unter der Eschenburg und hat eine Länge von rd. 2,2 Kilometer und eine Breite von rd.0,43 Kilometer in dem die bauwürdigen Schieferbänke an mehreren Stellen zu Tage austreten. An diesen Stellen sind die ersten Bergwerksfelder zur Verleihung gekommen, nachdem in den Schieferbrüchen der Nachweis des Eintauchens der bauwürdigen, d. h. brauchbaren Schiefer in den Berg erbracht war und nur auf bergmännische Weise die 1768 über Tage von dem Steindecker Wolling zu Dillenburg, dem Heimwerker Jost Heinrich Lückoff und dem Conrad Manderbach, beide aus Wissenbach, begonnene Gewinnung fortgesetzt werden konnte.
Unweit der Höhe Omehand erhielt Johannes Cunz aus Wissenbach am 20.12.1819 ein Längenfeld von 84 Lachter Länge und 40 Lachter Breite auf den Namen "Vor der Heck" verliehen, das am 25.03.1850 nach seinem Tode von seinen Erben an den Schichtmeister Johann Jost Lückoff aus Wissenbach verkauft wurde. Lückoff wird schon im darauffolgenden Jahr 1851 die beantragte Vergrößerung dieses Feldes auf 150 Lachter Länge und Umwandlung zu einem Vertikalfeld genehmigt, damit er die Grube verstärkt betreiben kann. Nur 700 Meter weiter nördlich dieser Grube "Vor der Heck" erhielt die Firma Carl und Ludwig Koch aus Dillenburg am 0l.03.1820 ebenfalls ein Längenfeld mit rd. 160 Lachter Länge und rd. 45 Lachter Breite auf den Namen "Batzbach" verliehen, das am 10.12.1830 in östlicher Richtung um rd. 20 Lachter verbreitert und am 23.11.1851 ebensfalls zu einem Vertikalfeld mit 195 Lachter Länge und 150 Lachter Breite umgewandelt wurde. Schließlich ist noch einmal 600 Meter weiter nach Norden am 21.06.1820 dem schon genannten Lückoff aus Wissenbach für den dort zu dieser Zeit ebenfalls betriebenen Bergbau das Grubenfeld "Lampertsberg" (später als Alter Lampertsberg bezeichnet) mit 168 Lachten Länge und 42 Lachten Breite verliehen worden. Auch für dieses Grubenfeld hatte sich bald die Verbreiterung nach Süden notwendig erwiesen, da auch hier festgestellt wurde, daß das Schieferlager aus dem verliehenen Felde herausfiel. Am 10.12.1830 wurde dem Antrag auf Vergrößerung des Feldes im Süden um 20 Lachten entsprochen. Dieses Grubenfeld, das ebenso wie das im Westen angrenzende Grubenfeld Neuer Lampertsberg 1841 noch einmal in südlicher Richtung verlängert wurde ist schließlich am 18.07.1851 zu dem später im Feld Batzbach aufgegangenen Verticallagerungsfeld "Cons. Lampertsberg" mit einer Länge von 200 Lachter und einer Breite von 150 Lachter vergrößert worden.
Auf einer streichenden Länge von 1400 Meter stehen somit seit Beginn des vorigen Jahrhunderts 3 Gruben in regem Betrieb. Mit dem Bau der Eisenbahn im heimischen Raum wird schließlich eine Ausdehnung des Absatzes in weiter entfernte Gegenden möglich. Da alle Gruben sowieso inzwischen schon einem gemeinsamen Eigentümer gehören, kommt es 1861 zu der schon lange vorher angestrebten Vereinigung in dem eingangs erwähnten heutigen großen Grubenfeld "Batzbach".
Geologisches
Nach dem bekannten Geologen, Dr. E. Kaiser, Professor an der Universität Marburg, ist das Mitteldevonische Gebirge im Dillenburgischen, dem Hessischen Hinterlande, in der Gegend von Bad Wildungen und an einer Stelle an der Mosel von sehr abweichender Beschaffenheit gegenüber allen übrigen Verbreiterungsgebieten.
Hier tritt es in Form von dunklem Ton- und Dachschiefern mit darin gelagerten Kalken und Quarziten auf. Diese Schiefer enthalten außer kleinen Tentaculiten-Schälchen, nur eine spärliche, besonders aus Cephalopoden und Trilobiten zusammengesetzte Fauna. Vielfach, wie besonders bei Wissenbach, sind die Versteinerungen verkiest, und dann pflegt man diese Schiefer als Wissenbacher Orthoceras-Schiefer zu bezeichnen. Becher schreibt hierüber 1789 in seiner Mineralogischen Beschreibung der Oranien-Nassauischen Lande, daß diese verkiesten Orthoceratiten Urkunden der Natur seien, womit sie ihre Herkunft, ihre Entstehung legimitieren.
Über das Schieferlager selbst bemerkt Becher: "Die Schiefersteine haben ihre brauchbaren und unbrauchbaren Lager, oder wie die Steindecker sagen, ihre schlechten und guten Mittel, von den guten wird nur Gebrauch gemacht, die schlechten aber natürlicherweise stehen gelassen. Die Richtung der Schiefer geht von Morgen nach Abend (also von Osten nach Westen) ihre Fallen aber gegen Mittag zwischen 40 und 50 Grad. Die Breite steigt von einem bis auf sechs bis sieben Fuß. Nächst senkrechte Klüfte durchschneiden solche in Entfernungen von 1, 2, 3 bis höchstens 4 1/2 Fuß. Je entfernter solche Klüfte voneinander sind, desto besser, haltbarer sind die Schiefer, je näher sie sich aber kommen, desto schlechter und weniger brauchbar werden sie; denn kurzklüftige Schiefer taugen nichts, sie sind entweder faul, oder doch so mürbe, daß, wann sie an die Luft kommen, solche sich bröckeln und auseinander fallen. So wie sich aber diese Flözklüfte auseinander ziehen, bekommen die Schiefer ihre Güte wieder. Die guten oder brauchbaren Schiefersteinlagen sind in einer Breite von 8 Lachtern durchbrochen. Wie weit sie sich in die Länge erstrecken ist noch nicht erforscht und deswegen unbekannt".
Doch 1948 schreibt der Sachbearbeiter des Geologischen Landesamtes für das Dillgebiet, Dr. Teike, in einem Bericht über die Befahrung der Aufschlüsse der Schiefergrube Batzbach am 20.01.1948 u. a.: "Durch einen querschlägig zur Schieferung angesetzten Stollen und viele z. T. sehr lange streichende Abbaustrecken sind prächtige Aufschlüsse geschaffen, die sehr instruktiv das Auftreten und Verhalten der Dachschieferpartien entsprechend den geologisch-stratgraphischen und tektonischen Verhältnissen studieren und erkennen lassen. Die aufgeschlossenen Vorräte sind bedeutend und werden durch die sehr systematisch durchgeführten Neuaufschlußarbeiten laufend ergänzt, Das Material hat die bekannten guten Eigenschaften der "Wissenbacher Schiefer", eine leichte und dünne Spaltbarkeit sowie gute Haltbarkeit und wird seinen Markt behaupten können".
Über die Bauwürdigkeit eines Schieferlagers schreibt Dr. Einecke:
"Sie hängt nicht allein von der Mächtigkeit - 3 bis 4 m gelten als Mindestmaß - ab, es müssen auch plattenförmige Stücke in genügender Größe, sog. Spaltstücke geliefert werden können, die sich mit Leichtigkeit in ebene Tafeln von 200- 2000 qcm, und mehr Flächengehalt und 4-8 mm Dicke spalten lassen und den nachstehenden Forderungen für einen brauchbaren Dachschiefer genügen:Der Schiefer muß eine gewisse Härte haben, die sich durch einen nicht zu hellen Klang beim Anschlagen mit dem Finger an einer freigehaltenen Schieferglätte zu erkennen gibt. Sonst zerbricht er beim Behauen und Einschlagen der Löcher, jedenfalls aber unter der Last des Dachdeckers und seiner Geräte. Er darf sich unter dem Einfluß der Witterung nicht zersetzen. Durch Behauen und Schneiden muß sich ein Schiefer leicht jede beliebige Form geben lassen, ohne daßer in den Kanten abspringt. Seine Spaltfläche darf nur wenig rauh sein,um Moosbildung zu vermeiden. Er muß seidenartigen Glanz und einförmig schwarzblaue Farbe haben. Und schließlich darf ein guter Schiefer, in Wasser gelegt, nicht merklich schwerer werden".
Betriebliches
Heute, 200 Jahre nach dem Beginn der Schiefergewinnung "Am Batzbach" sehen wir dort, wo einst nur wenige kleine Hütten gestanden haben, ein großes Werk. Hohe Bauten und Anlagen lassen erkennen, daß hier nicht nur Schiefer gewonnen, sondern daß diese heute auch für andere als herkömmliche Zwecke verarbeitet werden. Was ist in der langen Zeit von zweihundert Jahren am Batzbach geschehen?
1768, als im Dillenburger Land der Bergbau in hoher Blüte stand, machten sich die Wissenbacher Bürger Jost Heinrich Lückoff und Conrad Manderbach unter Beteiligung des Steindeckeckers HollUng aus Dillenburg - sicher hatten sie das Bergmannshandwerk in den zahlreichen Bergwerken des benachbarten Nanzenbachs erlernt - am Batzbach zu schaffen. Hatten sie doch in Erfahrung gebracht, daß hier ein Gestein zu Tage trat, das sich ähnlich den aus dem Rheinland auf holprigen Wegen herbeigeschafften Schieferleyen in dünne Platten spalten und somit zum Decken der Dächer verwenden ließ. Bald hatten sie den Fels freigelegt und den Verlauf der geeigneten Bänke verfolgt. Doch je tiefer sie in den Berg eindrangen, umso größere Schwierigkeiten taten sich vor ihnen auf. Nicht nur, daß die Qualität der Steine häufig wechselte, auch die Witterungsunbilden, insbesondere die Hitze im Sommer und Schnee und Eis im Winter, erschwerten den dauerhaften und rentablen Betrieb.Schließlich entschlossen sie sich im Jahre 1771, die im Bruch in die Sohle eintauchenden Schieferbänke mit einem Stollen aufzusuchen.Etwa nach einem Jahr oder etwas mehr wurde ihre Mühe belohnt; bei 27 Lachter Stollenlänge wurde das aus dem Schieferbruch bekannte Schieferlager angehauen. Das in edler Beschaffenheit angetroffene Lager bot nun auf lange Zeit der kleinen Belegschaft, die meist aus einem Steiger, einem Hauer mit Gehilfen sowie einem Karrenläufer und Schieferzurichter bestand, Arbeit und damit, wenn auch oft nur ein karges aber immerhin doch sicheres Brot. Doch auch das beste Schieferlager geht einmal zur Neige. So auch hier. Es mag am Ende des 18. Jahrhunderts, also mehr als 30 Jahre nach der Aufnahme der Schiefergewinnung gewesen sein, als 125m westlich des ersten, später Oberer Stollen genannten Stollens ein neuer Stollen, Mittlerer Stollen genannt, angesetzt wurde. Auch er erreichte das vordem im Oberen Stollen gebaute Lager bei 30 Lachter Stollenlänge. In verstärktem Umfange wurde das Lager in Richtung der alten Grubenbaue aufgeschlossen, um sowohl mehrere Ansatzpunkte zu schaffen als auch - und das mag wohl noch ein wichtigerer Grund gewesen sein - eine Verbindung beider Stollen für eine natürliche Bewetterung der Grube zu erzielen. Auch in entgegengesetzter Richtung, also nach Westen, wurde eine Strecke vorgetrieben, doch hier war man weniger glücklich, denn die angetroffenen Schieferlager waren rauh und daher nicht verwertbar. Sollte das nun schon ein halbes Jahrhundert bestehende Schieferbergwerk nicht bald zum Erliegen kommen, mußten weitere Vorräte aufgeschlossen werden. Und dieses konnten nach den emachten Erfahrungen noch tiefer im Schoß des Berges ruhen. Durch eine einfallende Strecke wurde das weitere Eintauchen des bauwürdigen Lagers unter den bisher abgebauten Horizont erneut nachgewiesen. Doch war die Zutageschaffung der Schieferplatten dort so mühsam, daß rentablere Möglichkeiten geschaffen werden mußten.
Was lag näher als die Anlegung eines weiteren Stollens jedoch wesentlich tiefer unter den Ansatzpunkten des Oberen und Mittleren Stollens. Die Wahl dieses Punktes bereitete großes Kopfzerbrechen, da der Berghang im Tal sehr flach auslief, hier sonst jedoch die günstigsten Voraussetzungen für die Ablagerung des Schieferschuttes, die Anlegung von Spalthütten und die Abfuhr des Dachschiefers vorlagen. Endlich entschloß man sich, im flachen Hang bei zunächst geringer Oberdeckung den Stollen zu beginnen, damit eine Bauhöhe von 22 Metern bis zu den alten Bauen gewonnen wurde. Welche schwere Folgen dieser Stollenansatz nach sich ziehen würde, sollte sich erst in einigen Jahren herausstellen. Vor Aufnahme der Stollenvortriebsarbeiten lag nahe, die benachbarten Betriebe zusammenzuschließen, um die erheblichen Kosten gemeinsam zu tragen, da der Stollen später einmal für alle nützlich sein sollte, doch stellen sich dieser Absicht rechtliche Schwierigkeiten entgegen. Schichtmeister Johann Heinrich Lückoff stellte jetzt nämlich fest, daß sein Vorgänger ihm bei der Übergabe der Schichtmeisterunterlagen nicht die so wichtige Belehungsurkunde des Bergwerkes Batzbach übergeben hatte. Sie blieb trotz eifriger Suche verschollen. Am 01.11.1819 richtete er an die Regierung einen Antrag mit der Bitte um Neuausstellung der in Verlust geratenen Urkunde, da ihm, und der Gewerkschaft daran liege, in ihrem Besitze gesichert zu sein. Gleichzeitig mit diesem Antrag bat Lückoff wegen der Ausdehnung des Baues eine doppelte Maßung festzulegen.
Schichtmeister Lückoff erhielt hierauf für sich und seine Mitwerker eine neue Belehnung die u. a. folgenden Wortlaut hatte: "Wird derselbe als Lehnträger für sich, seine Erben und Erbnehmer auf dem Schieferbruch Batzbach zu einem Lagerfelde von einer Fundgrube zu vierundachtzig Lachter und doppelter Maaßen zu zweiundvierzig Lachtern ganz im Westen und einem Breitenfelde von zweiundvierzig Lachtern ganz im Süden vom Fund aus zu strecken, wie dieses noch vermessen und verlochsteint werden soll, hierdurch berechtigt." Im Begleittext dieser Belehnungsurkunde erfahren wir, daß sich der Schieferbruch auf unkultiviertem Gemeindegrundeigentum befindet,das Lager hora 4 streicht, nach Süden einfällt und der Fund des Lagers bei 19 Lachtern im Oberen Stollen liegt. Ende 1828 hatte der neue Stollen eine Länge von 63 Lachtern erreicht.Doch mit zunehmender Länge wurde die Vortriebsleistung geringer. Im vorangegangenen Jahr hatte der Gedingeträger des Stollens wiederholt die Arbeit wegen schlechter Wetter verlassen. So blieb es nicht aus, daß die dringend notwendigen Vortriebsarbeiten allzuoft ruhten. Der Bergmeister sah sich daher genötigt, einzugreifen. Im Herbst 1827 hatte er bereits die Bestrafung des Verwalters mit 3 Gulden angedroht, wenn im kommenden Jahre der Vortrieb nicht verstärkt werde. Auch solle die Herzogliche Receptur den zu Gunsten des Stollenvortriebs erlassenen Zehnten wieder einziehen. 1828 wurde sogar in diesem Zusammenhang die Auflage gemacht anstatt 12 Lachter wenigstens 18 Lachter aufzufahren, wenn der Zehnter erlassen werden solle.
Schichtmeister Lückoff scheint ein umsichtiger und zielbewußter Mann gewesen zu sein. Er bringt den von seinem Vorgänger gemächlich betriebenen Bergbau am Batzbach wieder in Schwung. Von 1716 verfahrenen Schichten im Jahre 1827 werden 78 im Stollenvortrieb verfahren. Im darauffolgenden Jahr wird die Produktion des Vorjahres mit 725 Reiß Dachschiefer mehr als verdoppelt und 20 Lachter Stollen gehauen. Die Belegschaft bestand aus einem Steiger und 9 Bergleuten. 1829 kaufte Schichtmeister Lückoff für 16 Gulden und 9 Kreuzer eine am Stollenmund gelegene Wiese von 14 Ruthen und 4 Schuh Größe um den bei dem Stollenvortrieb anfallenden Schieferschutt ablagern zu können.
Die Förderung erreicht 1830 mit 1746 Reiß Dachschiefer bei nur 13 Mann Belegschaft einen Höchststand, der erst nach 38 Jahren, also 1868 überschritten werden sollte. Was mag wohl die Ursache der plötzlich eintretenden großen Nachfrage gewesen sein? Im 12 Kilometer entfernt liegenden Städtchen Haiger waren in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1827 180 Gebäude und gut zwei Jahre später, am 23. August 1829 erneut 5 Häuser, 20 Ställe und 59 Scheunen niedergebrannt. Sicher wurde bei dem Wiederaufbau von Haiger Wissenbacher Schiefer für die Dachbedeckung verwendet, ebenso wie nach den großen Bränden im Jahr 1772 in Nanzenbach, das restlos und Frohnhausen das im Jahre 1778 bis auf ein Haus, sieben Scheunen und die Kirche durch Feuer zerstört wurde.
Trotz gutem Absatz sinkt die Förderung 1831 wieder auf 887 Reiß Dachschiefer ab. Offensichtlich waren die Abbaue im Oberen Stollen inzwischen erschöpft und die erhofften Lager im Unteren Stollen noch nicht erreicht.
Die mangelhaft ausgeführten Vortriebsarbeiten in diesem neuen Stollen veranlaßten den Bergmeister 1832 erneut zur Androhung einer Bestrafung des Steigers denn er schrieb der Grube in das Zechenbuch: "Wenn der Stollen von neuem nicht söhlig getrieben wird, so soll der Steiger nicht allein mit 3 Gulden bestraft sondern auch zu den Unkosten für das Hochheben der Sohle, Firste und Stöße verurteilt werden."
Hieraus läßt sich erkennen, daß der Stollen entgegen der höchsten Anweisung, ihn fast söhlig vorzutreiben, damit die größtmögliche Bauhöhe bis zu den oberen Abbauen erreicht werde, infolge Unaufmerksamkeit des Steigers mit starkem Ansteigen vorgetrieben wurde, um den Karrenläufern, die ja das ganze gelöste Gestein mit Karren aus dem Stollen auf die Halde fördern mußten die schwere Arbeit zu erleichtern. Die Vernachlässigung der Stollenarbeit führte dazu, daß die Belegschaft 1833 bis auf 6 Mann verringert werden mußte. Die Dachschieferproduktion erreichte bei 886 Schichten nur noch 438 Reiß. Auch die Vernachlässigung der übrigen Nebenarbeiten infolge der geringen Belegschaft zeigten bald böse Folgen. Im darauffolgenden Jahre brach das Stollenmundloch des Oberen Stollens zusammen. Alle verfügbaren Mittel galten der Aufwältigung und neuen Vermauerung. Doch ein Unglück kommt selten allein.Der seit vielen Jahren betriebene große Abbau mußte 1835 aufgegeben werden. Er hatte inzwischen eine solche Höhe und Breite erreicht, daß die Sicherheit der Bergleute in Frage gestellt war. Die Bergleute verließen diesen Abbau wiederholt aus Angst, von hereinbrechendem Gestein erschlagen zu werden. Um die Förderung aufrecht zu erhalten wurde die Gewinnung in einer noch vorhandenen und erreichbaren Abbaustrecke aufgenommen.
Dem Bergmeister von Dillenburg blieben diese Vorkommnisse nicht verborgen.
Als Schichtmeister Lückoff ihm im Quartalsbericht schrieb, "daß am Firstenbau keine Vermauerung noch Verzimmerung nötig sei" rügte er Lückoffs einseitige Beurteilung mit der Randbemerkung: "Er solle sich an die gegebenen Verfügungen halten!" Ein neuer planmäßiger Abbau kam erst 1836 im Hauptlager, das inzwischen mit einem weiteren Querschlag aus dem oberen Stollen angefahren worden war, in Betrieb. Ein Jahr darauf, also 1837, wurdenaußer 585 Reiß Dachschiefer aus dem neuen Abbau erstmals aus der Abbauvorrichtung des Tiefen Stollens, der mittlerweile 110 Lachter lang geworden war, 6 Reiß Dachschiefer gewonnen. Die Förderung war hier kaum gut angelaufen, als der Stollen, der ja wie bereits erwähnt, am flachen Berghang angesetzt war, zum ersten Male auf einer Länge von 3 Lachter infolge Eindringen von Tageswasser bei der Schneeschmelze zusammenbrach. Vier Mann wältigten den Bruch in 25 Schichten wieder auf. Die Unkosten hierfür betrugen: Löhne 6 Gulden und 12 Kreuzer und Abbauholz 21 Gulden und 48 Kreuzer. Hieraus läßt sich ein Durchschnittslohnvon 15 Kreuzer = 6o Pfennig je Schicht bei einer Arbeitszeit von 10 Stunden errechnen.
Der neue Abbau im Tiefen Stollen ließ sich 1838 gut an und brachte mit 192 Reiß Dachschiefer schon etwa 30% der gesamten Schieferproduktion. Der weitere Vortrieb des Stollens machte erneut erhebliche Schwierigkeiten, da die ausreichende Bewetterung mit zunehmender Länge immer mangelhafter wurde, sodaß die Bergleute zu Anfang des Jahres wieder die Arbeiten verließen. Wie schwer mag ihnen dieser Entschluß gewesen sein, waren sie doch auf jeden Pfennig ihres kärglichen Lohnes angewiesen. Doch was nutzte dies? Schon nach geringer Verbesserung der Wetterverhältnisse mußten sie ihre Arbeit fortsetzen bis endlich ein Durchschlag mit den höher gelegenen Bauen geschaffen werden konnte. Die Absatzlage erreichte bis zum Jahre 1852 keine wesentliche Veränderung. Bei einer Belegschaft von 4 bis 8 Mann schwankte die Produktion zwischen 347 und 862 Reiß. Der Tiefe Stollen - inzwischen 135 Lachter lang geworden - verursachte 1848 erneut zusätzliche hohe Aufwendungen, da 100 Schichten zum Aufwältigen eines bei 25 Lachter Stollenlänge entstandenen Bruches erforderlich waren. Eine Fördereinbuße von wenigstens 250 Reiß Dachschiefer brachten die Gewerken in große Not. Es fehlten die Mittel, den Stollen mit dem nötigen starken Ausbau zu versehen, sodaß zwei Jahre später der Stollen erneut zubrach, wodurch wiederum erhebliche Geldmittel aufgewendet werden mußten.
In der Hoffnung, im alten Tagebau auf billigere Weise wieder Schiefersteine gewinnen zu können, wurden dort 1851 wieder Abraumarbeiten aufgenommen. Doch zur Schiefergewinnung für die Dachschieferproduktion ist es dort erst 1856 gekommen. Bis dahin konnten die gewonnenen Steine nur als Mauersteine abgesetzt werden.
Im Sommer dieses Jahres waren zeitweise 19 Männer im Tagebau eingesetzt, die 259 Reiß Dachschiefer und 9 Klafter Mauersteine förderten. Schon nach 3 Jahren war das bauwürdige Mittel des Tagebaues erschöpft. Als Ersatz hierfür wurde etwa 20 Lachter weiter im Hangenden des oberen Stollens ein neuer Tagebau begonnen und auch bald ein gutes Lager angetroffen. Im Tiefbau hatte sich die Lage vorerst nicht verbessert. Endlich erkannte man, daß ohne eine ausreichende Bewetterung der Betriebspunkte keine guten Leistungen erzielt werden konnten und begann 1852 mit der Herstellung eines Wetterschachtes. In diesem Jahr wird erstmals über die Herstellung von 12 Schornsteinplatten berichtet. Diese Platten dienten der Abdeckung der Schornsteine zum Schutz gegen das Eindringen von Regen- und Schneewasser. Auch die Herstellung von 350 Fuß Gartensteinen läßt darauf schließen,daß es gelungen war, die für die Dachschieferproduktion nicht geeigneten Steine zu verkaufen. Vermutlich hatte man für diese den Auftrag eines herrschaftlichen Anwesens erhalten.
Im Jahre 1854 wurden schon 248 Platten gewonnen. Von den insgesamt 689 Reiß Dachschiefer stammten 360 Reiß, also mehr als die Hälfte aus der Abbauvorrichtung des Tiefen Stollens. Doch schon im darauffolgenden Jahre sank die Förderung trotz gleichbleibender Belegschaftstärke von 10 Mann auf die Hälfte des Vorjahres, da der Tiefe Stollen wieder einmal zusammengebrochen war und außerdem im Oberen Stollen "die Quarzstraten so überhand nahmen,daß alle zarten Bänke nicht bauwürdig waren." Doch dank Fleiß und Ausdauer wendet sich endlich im Jahre 1856 das Blatt. Im Oberen Stollen wird der Durchschlag mit dem neuen Tagebau hergestellt und hierbei unvermutet und wider Erwarten guter Schiefer angehauen, sodaß die Schiefergewinnung im Tagebau erneut aufgenommen werden kann. Trotz erhöhten Preisen nahm der Absatz so zu, daß die Nachfrage nicht erfüllt werden konnte. Diese günstige Wirtschaftslage gab den Mut zu großen Planungen. Während bisher durch Karrenläufer die Schiefersteine sowie das Abfallmaterial mühsam nach über Tage geschafft werden mußten, sollten künftig durch Anlegung einer Eisenbahn im Tiefen Stollen die Förderung erleichtert und somit auch verbilligt werden. Hierdurch wurde jedoch notwendig, den vorderen Teil des Stollens, der einmal ein sehr starkes Gefälle hatte und außerdem auch zu schmal und niedrig war, in der Firste und an den Stößen nachzuschließen, das Stollenmundloch selbst um 20 Lachter zurückzuverlegen und dieses schließlich noch um 1 Meter anzuheben. Von diesem neuen Stollenmundloch aus wurde der Stollen auf einer Länge von 60 Lachter nachgerissen und der untere Teil mit Schieferplatten abgedeckt. Durch diese große Wassersaige wurden später die Frischwetter in die Grube geleitet. Ober den vordersten Stollenteil, der nur noch als offener Laufgraben übrig blieb, wurde eine Brücke gebaut, da der vordem hier überführende Feldweg durch öffnen des Stollens unterbrochen worden war.
Als eine weitere Planung wurde, da immer häufiger die Vortriebs und auch die Gewinnungsarbeiten im Tiefen Stollen infolge Mangel an Sauerstoff unterbrochen werden mußten, die Herstellung einer Wetterverbindung zwischen dem Tiefen Stollen und dem Oberen Stollen im Winter des Jahres 1856 im westlichen Abbau II des Tiefen Stollens ein Bohrloch angesetzt. Anfang 1857 hatte dieses Bohrloch mit einer Länge von 11 Lachter den Horizont des Oberen Stollens erreicht. Wegen mangelhafter Konstruktion der Bohrausrüstung konnte jedoch nicht über diesen Stollen hinaus bis nach über Tage gebohrt werden wie dies ursprünglich geplant war. Durch einen 8 Lachter langen Querschlag aus dem Oberen Stollen konnte dieses Bohrloch schließlich im Sommer 1857 angefahren und damit endlich die natürliche Bewetterung des Tiefen Stollens hergestellt werden. Über die neuen Untersuchungsarbeiten im Oberen Stollen berichtet am 08. Mai 1857 Verwalter Koch an die Bergmeisterei in Dillenburg:
"Bei der Strecke aus dem Oberen Stollen nach dem Liegenden ist das Schieferlager nicht ganz gleichbleibend, anfangs war es edel,dann wurde es rauher, in der letzten Zeit läßt es erwarten, daß man einen Abbau darauf anlegen kann. Durch die Versuchsstrecken nach dem Hangenden wurden auch sehr schöne Schichten aufgeschlossen. Es sind dies die Schichten, auf welchen die Grube schon im vorigen Jahrhundert betrieben, in den letzten Jahren fand aber aller Abbau vielmehr im Liegenden statt. Für die im Hangenden nun zu errichtenden Abbaue hege ich große Hoffnung."
Durch Erhöhung der Belegschaft - zunächst auf 24 und späterauf 32 Mann - konnten die geplanten Arbeiten im Tiefen Stollen so zügig durchgeführt werden, sodaß schon am Jahresende die Verlegung der Eisenbahn von der Halde über Tage bis zum Abbau II möglich war.
Bei guter Weiterentwicklung des Betriebes wurde im Jahre 1859 mit 1610 Reiß Dachschiefer eine Rekordförderung erzielt; auch die Plattenproduktion stieg wieder auf 202 Stück an. Um dem dringenden Bedürfnis der angemessenen Unterbringung der stark vermehrten Belegschaft entsprechen zu können, wurde das im Vorjahr begonnene neue große Zechenhaus fertiggestellt. Unter Tage werden mit Zunahme der Abbauhöhen erstmals Maßnahmen notwendig, die bei dem Ablassen der Schieferbrocken auf die Stollensohle die Beschädigung der Brocken vermeiden. Nach erfolgreichen Versuchen werden ab 1860 in den Stückerutschen in größerem Umfange Gerüststangen eingebaut. Im gleichen Jahr wird mit dem Niederbringen eines Gesenkes von der Sohle des Oberen Stollens in Richtung Abbau IX des Tiefen Stollens begonnen und nach einem Jahr mit der Abbaufirste in Durchschlag gebracht und damit endlich für den inzwischen schon verzweigten Grubenbau "ein vortrefflicher Wetterwechsel" erzielt. Die Laufstrecken werden in Gewölbemauerung gestellt, ein Zeichen dafür, daß der Betrieb doch rentabel geworden ist, daß man nicht mehr von der Hand in den Mund leben muß, sondern auf lange Sicht arbeiten kann.
Die Belegschaft vermehrt sich von 10 Mann im Jahre 1867 bis auf 88 Mann im Jahre 1874, um dann wieder allmählich bis auf 16 Mann im Jahre 1886 abzusinken. Mit der ungewöhnlich großen Belegschaftvon 88 Mann - der höchsten Belegschaft während der zweihundertjährigen Geschichte der Grube überhaupt - wurde auch die nie mehr erreichte Höchstproduktion von 20722 Meter Dachschiefer = 2200 Tonnen erreicht. 1879 wurde als Durchschnittslohn für eine Achtstundenschicht 1,6o Mark bezahlt. Zur gleichen Zeit betrugen die Durchschnittslöhne auf der Eisenerzgrube Königszug bei Oberscheld 2,24 Mark, auf der Braunkohlengrube Ludwig Haas bei Gusternhain 2,05 Mark und auf der Tongrube Stoß bei Langenaubach 2,5o Mark.
Infolge eines furchtbaren Großfeuers wurden am 07. Mai 1879 in Wissenbach innerhalb weniger Stunden 48 Wohnhäuser, 51 Scheunen und zahlreiche Ställe vernichtet. Trotz dem hierdurch bedingten großen Bedarf an Dachschiefer für den Wiederaufbau fällt die Förderung innerhalb weniger Jahre auf 5913 Meter im Jahr 1881,um die dann zwischen 3000 bis 4000 Meter schwankende Jahresförderung kurz vor der Jahrhundertwende erst wieder zu überschreiten. Auch die erhoffte Belebung des Absatzes nach Eröffnung der Eisenbahnstrecke Giessen-Deutz am 15. Januar 1862 sowie der Anschlußbahn Dillenburg-Straßebersbach im Jahr 1891 bringt keine entscheidende Besserung der Absatzverhältnisse.
1895 wird dem Minister für öffentliche Arbeiten auf die Anfrage, von welchen Bahnstationen Dachschiefer versandt wird, die Station Wissenbach benannt, in der Erwartung, den dem Dachschieferbergbau in Aussicht gestellten günstigeren Frachttarif endlich zu erhalten. Aus der erstmals überlieferten Meldung des Sprengstoffverbrauchs im Jahre 1895 die besagt, daß insgesamt 273,5 kg Sprengpulver verbraucht, Dynamit jedoch weder vorrätig gehalten noch benötigt wurde, ist ersichtlich, daß zu dieser Zeit nur Abbau umging und wieder einmal aus Kapitalmangel keine Vorrichtung gemacht wurde.
Erst im Jahre 1879 wird das im Abbau XIV vor längerer Zeit begonnene Schachtabteufen fortgeführt und im darauffolgenden Jahr als Vorbereitung für die Einrichtung eines maschinellen Betriebes im Gegenortsbetrieb vom Oberen Stollen aus das Hochbrechen bzw. von über Tage aus das Abteufen eines Luftschachtes begonnen.
Wegen Mangel an geschlossenen Vorräten konnten 1898 ein großer Teil der Aufträge nicht erledigt werden. Dafür wurden die Modernisierungsarbeiten mit großem Eifer fortgeführt und bis zur Jahrhundertwende abgeschlossen. Im Betriebsbericht für das Jahr 1899 heißt es:
"Aus dem westlichen Flügel des Stollens ist das angefangene Gesenk ausgestreckt worden. Dann wurde es mit einem doppelten Schienengeleise versehen und in Verbindung mit der Maschine gesetzt, die vorher bei Abbau XIV aufgestellt worden war. Ebenso wurde nach dem Liegenden daselbst ein Dampfkessel aufgestellt.Der hierzu fehlende Raum wurde durch Wegnahme des Liegenden gewonnen. Eine etwa 3m von dem Kesselraum weiter im Liegenden befindliche alte Versuchsstrecke, die mit Bergen versetzt war, wurde leergefahren, um als Kohlenraum zu dienen. Nachdem diese durch einen Querschlag mit dem Kesselraum in Verbindung gesetzt war. Zur Abführung des Rauches von dem Dampfkessel wurde der alte Wetterschacht bei Abbau XIV bis zur Oberen Stollensohle benutzt, nachdem dieser mit dem Kesselraum durch einen Durchschlag verbunden und durch den Wetterschacht eine eiserne Rohrleitung von 40cm Durchmesser gelegt war."
Diese Dampfmaschine hatte eine Leistung von 12 PS und wurde nach amtlicher Abnahme vom 18. Juli 1899 in Betrieb gesetzt. Sie diente der Hochförderung des Schiefers aus den neueren, unterhalb der Stollensohle betriebenen Bauen.
Die gute Auftragslage klang 1902 wieder einmal ab; die Herstellung größerer Schuppen mußte eingeschränkt werden; lediglich Wandbeschlag wurde besser gefragt. Auch diese Flaute hatte wieder einmal niedrigere Preise zu Folge. Hinzu kam, daß die Aufschlußarbeiten schlechte Erfolge brachten. Im Tiefbau (Unterwerksbau) wurden die Arbeiten durch den schlecht abziehenden Pulverdampf sehr erschwert. Der Bergmeister forderte eine Verbesserung des Wetterzuges. Sollte der Durchschlag zu lange dauern, so müßten Sonderventilatoren mit Luttensträngen eingebaut werden, die von Hand oder aber maschinell zu betreiben seien. Es wurde ein großer Blasebalg mit Hebelbetrieb beschafft und bis zur Herstellung des Durchschlages von Hand betrieben. In den Jahren 1904 und 1905 wurde die Nachfrage wieder lebhafter, die Preise blieben jedoch weiter gedrückt. Im Oberen Stollen wird ein zweiter Ausgang hergestellt. Der Absatz steigt weiter an; im zweiten Halbjahr so stark, daß einige Aufträge nicht erfüllt werden können. Jetzt konnten sogar die Löhne um 5o Pfennig je Achtstundenschicht angehoben werden.
In einem Bericht des Repräsentanten Ernst Koch im Jahre 1907 an das Bergamt schreiben dieser auf die Anfrage über die voraussichtliche Lebensdauer der Grube, daß diese unter Berücksichtigung der derzeitigen Förderung noch etwa 100 Jahre betrage.
Im Jahre 1907 wird der Hauer Friedrich August Lückoff zum Aufseher ernannt. Die Lückoffs sind überhaupt auf der Grube immer sehr zahlreich vertreten gewesen. 1905 trugen von 14 Belegschaftsmitgliedern allein sechs diesen Namen. Die übrigen 8 Bergleute hießen Hain, Müller, Henrich und Roth. Zu dieser Zeit wurden 13 Sorten Normalsteine und 3 Sorten Spezialsteine hergestellt und zwar: 10/6, 14/6, 15/6, 17/6, 22/6, 26/6, 3o/6, 37/6, 40/6, 44/6, 5o/6, 57/6 und 62/6 sowie die Spezialsorten sechseckig 14/6, achteckig 16/6 und rund 12/6.
Am 10.08.1908 erleiden der Repräsentant Koch und der Aufseher Lückoff bei der Vernichtung von 25 kg unbrauchbar gewordenem Sprengpulver auf der Halde Verbrennungen an den Händen und im Gesicht. Weitere Hiobsbotschaften folgen kurz aufeinander. Im Tiefbau fällt soviel Wasser an, daß die einzige, dort installierte mit Dampf betriebene Pumpe zu schwach ist, sodaß die wasserführende Strecke zweimal abgemauert werden mußte. Am 03. Oktober 1911 mußte der Tiefbau schließlich wegen zu hoher Kosten aufgegeben werden. Damit kam der Dampfmaschinenbetrieb unter Tage nach zwölfjähriger Betriebszeit zum Erliegen. Am o3. Oktober des gleichen Jahres stirbt der Reprästentant Ernst Koch. Sein Nach?folger wird sein Bruder Franz Koch aus Wetzlar.
Infolge stockender Absatzlage, die eine Heruntersetzung des Verkaufspreises erforderte, war die Geschäftslage sehr ungünstig. Der Absatz fiel wieder von 7567 Meter im Jahre 1908 auf 3000 Meter im Jahre 1914 und schließlich nur noch 612 Meter im Jahre 1918 ab.
Am 0l. Januar 1919 wurde die Grube Batzbach einschließlich der auf Dachschiefer verliehenen Grubenfelder Eschenburg und Schoppach an den Dachdeckermeister Albert Steinmetz in Siegen verkauft. Die übernommene Restbelegschaft von nur 4 Mann wurde auf 12 Mann im Jahr 1919 und 26 im darauffolgenden Jahr erhöht. Bereits 1921 erreichte die Förderung wieder eine Höhe von 5974 Meter. Doch auch diese neue Aufwärtsentwicklung sollte keine ungetrübte Freude sein, stiegen doch die Preise von Jahr zu Jahr. Zum Ende der Hochinflation wurde der Dachschiefer nur noch gegen Naturalien - Schweine, Butter und Mehl werden wörtlich aufgeführt - abgegeben. Im November 1923 ruhte der Betrieb völlig.Am 19.11.1923 beantragte die Grubenleitung die Genehmigung für die Entlassung der Bergleute, da sie mit großen Verlusten arbeiten mußten.
| Einnahmen | 06.438.265.250.000 Mark |
| Ausgaben | 19.235.335.011.580 Mark |
| Manko | 12.797.069.761.580 Mark |
| Abschlag | 30.000.000.000.000 Mark |
| Gesamtfehlbetrag | 42.797.069.761.580 Mark |
Offensichtlich war auch die außergewöhnlich geringe Leistung in denbeiden letzten Oktoberwochen mitbestimmend für diesen Entschluß, da 3o Mannn Belegschaft insgesamt nur 142,4 Meter Dachschiefer, dessen Verkaufswert 3,5 Billionen Mark betrug, produziert hatten. Allein das Manko dieser beiden Wochen betrug 15,7 Billionen + 80-100% Unkostenanteil = ~ 30 Billionen Mark.
Nach Einführung der neuen Rentenmark ab 0l. Dezember 1923 lief die Produktion wieder an, doch das Zubruchgehen des Abbaues XVIII verursachte einen Rückgang der Förderung. Die wieder einmal verringerte Belegschaft hielt die Förderung bei ziemlich gleichbleibendem Absatz bis 1929 konstant.Doch die 1930 einsetzende Arbeitslosigkeit verschonte auch unsere Grube Batzbach nicht. In den darauffolgenden Jahren wurde nur mit Unterbrechungen in dem einzigen noch betriebenen Abbau 12 gearbeitet. Über die betrieblichen Verhältnisse berichtete der neue Eigentümer der Aufsichtsbehörde am 07.10.1926, daß der Zustand der Grube sehr schlecht sei. Durch eine verkehrte Abbaumethode des seitherigen Besitzers sei es öfters zu Zusammenbrüchen gekommen und nur ein knappes Drittel des Lagers könne in den höheren Abbauen gewonnen werden. Auch sei bei Abbaulängen bis zu 60 Meter nur ein Zugang vorhanden. Er wolle künftig die Abbau nur 10 bis 12 Meter lang machen.
Durch die neuerdings erfolgende Verwendung teerfreier Pappe und durch durch große Propaganda für den in den Handel gebrachten Kunstschiefer, den sogenannten "Asbestschiefer" verschlechtert sich ebenfalls die Geschäftslage. Auch wird Klage geführt, daß mehrere Behörden in Dillenburg, genannt werden das Finanzamt und die Landesbank sowie die Landesbank in Herborn ihre Dächer mitauswärtigen Schiefern deckten.
Zur Bekämpfung des Kunstschieferverkaufes wurden auf die Preise im ersten Halbjahr 10%, ab 0l.08.1926 15% und schließlich ab 0l.l0.1926 20% Rabatt gewährt. Dies war nach Einführung der Moselabbauweise in der Grube, die wegen erheblicher Leistungssteigerung eine Gedingherabsetzung zu Folge hatte, möglich geworden. Trotzdem konnte am Jahresende der Hauerdurchschnittslohn auf 5,64 Reichsmark angehoben werden.
Am 0l. Juli 1927 mußten die Schieferpreise wegen der zunehmenden Konkurrenz der Schiefer aus dem Ausland und der Kunstschiefer erneut gesenkt werden. Auch daß schon wieder eine Dillenburger Behörde, diesmal war es das Postamt, mit fremdem Schiefer gedeckt wurde, gab Anlaß zur Klage. Offensichtlich sei hieran nur das Vorurteil gegenüber dem Wissenbacher Schiefer schuld. Schließlich verminderten sich durch Einführung der Flachbauweise im Jahre 1928 insbesondere im Raum Frankfurt, die Absatzmöglichkeiten der Moselgruben, sodaß diese ihre Schiefer mit großen Rabatten auf den Markt warfen, denen Wissenbach sich notgedrungen anschließen mußte.
Um diese Verluste möglichst abfangen zu können, wurde ebenso wie bei der Konkurrenz das maschinelle Bohren eingeführt, da das bis dahin geübte Herstellen der Bohrlöcher von Hand mit Schlägel und Bohreisen sehr zeitraubend und aufwendig war. Es wurde ein Kompressor beschafft, der mit einem 2o PS starken Elektromotor betrieben wurde. 1931 wird berichtet, daß im Durchschnitt 1-2 Bohrmaschinen je Schicht eine Stunde benötigt werden um die erforderlichen Bohrlöcher herzustellen. Auch die Weltwirtschaftskrise wirkt sich spürbar aus, da die Bauwirtschaft erheblich nachläßt. Französische und Luxemburger Schiefer, die zum Teil als Moselschiefer auf den Markt kommen und mit 30% Nachlaß auf die Listenpreise verkauft werden, erschweren den Absatz. Daß diese Schiefersorten von minderwertiger Qualität sein sollen, findet nur wenig Beachtung. Auch die schlechte Zahlungsweise der Kunden macht der Geschäftsführung Sorge. Doch die Verhältnisse zwangen sie dazu, im darauffolgenden Jahr 1931 die Verkaufspreise erneut um 20% zu senken. Der Betrieb arbeitet mit Zubuße und führt schließlich zum Konkurs.
Am 10.01.1933 wurden die 100 Kuxe des Betriebes von einer Interessengemeinschaft unter Leitung der Apothekers Wilhelm Busch aus Wissenbach sowie der Gemeinde Wissenbach und den Dachdeckern Walter Heupel aus traßebersbach, Louis Weber und Heinrich Richter aus Dillenburg weitergeführt. Es gelang zunächst wieder einen größeren bnehmerkreis zu gewinnen und die erbitterte Konkurrenz vorübergehend aus dem Felde zuschlagen. Doch schon im Oktober 1934 mußte die Produktion wieder auf Lager genommen und die gesamte Belegschaft vorübergehend ent lassen werden. Auch in den folgenden Jahren mangelt es zeitweise an Aufträgen. 1936 wird es sehr bedauert, daß in der nahen Kreisstadt Dillenburg 90% aller Neubauten mangels Verständnis für die heimische Wirtschaft mit auswärtigen Schiefern gedeckt wird.
Abbau geht zu dieser Zeit nur in den Lagern 11 und 12 um; für die weitere Aus- und Vorrichtung der Grube fehlt das nötige Geld. Erst im Jahre 1937 wird im Lager 12 ein neuer Abbau vorgerichtet und über Tage für die Belegschaft ein neuer Aufenthalts- sowie ein Kleiderablageraum geschaffen. Bis zum 30.12.1937 erwirbt Apotheker Busch sämtliche Kuxe und wird alleiniger Besitzer der Gewerkschaft Batzbach. Der seit vielen Jahren den Hauptanteil der Produktion liefernde Abbau 12 erreicht 1939 eine solche Höhe, daß der Transport unrentabel wird. Zum Schutze der Bergleute gegen Gesteinsstaub werden erstmalig für sämtliche Gesteinshauer Staubschutzmasken beschafft. Die elektrische Anlage wird überholt und auf Drehstrom 220/380 Volt umgestellt. Am 06. Oktober 1942 erhält das gesamte Berkwerk schon wieder einen neuen Besitzer. Zum Preise von 30.000 Reichsmark wird es von der Gewerkschaft "Gutfreund" in Siegen erworben und der Betrieb im bisherigen Umfang weitergeführt.
Durch den inzwischen schon drei Jahren währenden Zweiten Weltkrieg mangelt es sehr an qualifizierten Bergleuten, da sieben Hauer auf die benachbarten Eisenerzgruben verpflichtet wurden. Erst als die Grube am 14. April 1943 ebenfalls zum Wehrbetrieb erklärt wurde und die Auflage zur Produktion von 750 Tonnen Dachschiefer erhält, können die benötigten Arbeitskräfte, 14 Bergleute, davon wenigstens 8 Hauer, beantragt werden. Doch zu der Restbelegschaft von 4 Mann kehren vorerst nur 2 Hauer zurück, sodaß die Produktionsauflage nicht erfüllt werden kann obwohl mit der Zunahme des Bombenkrieges die Nachfrage nach Dachschiefer zur Reparatur der Hausdächer immer größer wird.
Am 15. Jaunar 1945 wird schließlich auch noch die Stromzufuhr gesperrt. Das Bergamt fordert die Fortführung der Gewinnung unter Rückkehr auf das alte Bohrverfahren, nämlich dem Bohren von Hand, damit für die Bedachung von Behelfsheimen im Westfalenland für die Bombengeschädigten die geforderten Dachschiefermengen produziert werden können. Nicht nur der Mangel an Arbeitskräften und Material sondern auchdie Begleiterscheinungen des nun schon viele Jahre währenden Krieges erschweren den Betrieb außerordentlich. So wurden mit der Einquartierung deutscher Truppen in Wissenbach im Dezember 1944 und Januar 1945 der größte Teil des Zechenhauses für die Wehrmachts-schneider und Wehrmachtsschuster beschlagnahmt, die hier Instandsetzungswerkstätten einrichteten.
Am 12. März 1945 fallen in Wissenbach 11 von feindlichen Fliegern abgeworfene Bomben, zwei davon am westlichen Haldenrand der Grube und eine 100m östlich des Betriebes. Über die letzten Kriegstage vor dem Waffenstillstand und die anschließenden Wochen berichtet die Betriebsleitung später:
"Der im Betrieb befindliche tiefe Stollen der Grube Batzbach war in diesen aufregenden Wochen der Zufluchtsort vieler Wissenbacher Einwohner. Den Höhepunkt der Aufregung brachten die Tage, an welchen die feindlichen Heere näher rückten. Es waren die letzten Tage des Monat März, als die amerikanischen Truppen in Dillenburg einrückten und so auch unserem Betrieb immer näher kamen. Das war das Signal für die Besetzung des Stollens durch einen großen Teil der Einwohnerschaft des Dorfes." Hunderte von Menschennahmen Zuflucht in dem altberühmten Schieferstollen. In Eile wurden alte verlassene Abbaue, welche große Hohlräume bildeten, als Zufluchtsstätte durch Schaffung von Sitz- und Liegelegenheiten eingerichtet. Die Einwohner brachten Wagen voller Kisten und Kästen mit Hausrat und Lebensmittel, um solche im Stollen unterzubringen. Tag und Nacht war der Stollen durch die verängstigten Dprfbewohner besetzt. Ebenso war der höher gelegene Lampertsberger Stollen für Unterkunftsmöglichkeiten hergerichtet worden und bot vielen Zufluchtsuchenden Schutz und Sicherheit. Glücklicherweise entstanden beim Durchzug der feindlichen Truppen im Dorf Wissenbach, wie anderswo keine Kampfhandlungen, sodaß sich die Gemüter wieder bald beruhigten und die Bewohner die Stollen wieder verließen. Der Grubenbetrieb selbst war indes unterbrochen. Die Gefolgschaft wartete die Entwicklung der Dinge bei ihren Familien zu Hause ab.
Gegen Ende des Monats April fanden sich die Bergleute wieder auf der Grube ein. Einige während des Krieges auf den Eisensteingruben der Nachbarschaft dienstverpflichteten Arbeiter wurden neu eingestellt und so die Schieferproduktion mit vermehrten Kräften wieder aufgenommen. Nach und nach setzte eine stürmische Nachfrage nach Dachschiefer ein, die angesichts der noch kleinen Produktion nur zu einem geringen Teil befriedigt werden konnte. Die Belegschaft wurde daher weiter erhöht, sodaß sich die Produktion von Monat zu Monat steigert, obgleich der Betrieb zeitweise infolge ungenügender Stromzufuhr sowie Mangel an Sprengstoff usw. gehemmt wurde.
Im darauffolgenden Jahr wurde das Lager 16 aufgeschlossen, um neue Abbaue herzurichten. Trotz Zunahme der Belegschaft konnten infolge Versorgungsschwierigkeiten die Produktion nicht ausreichend gesteigert werden. Es fehlte vor allem an Brot und ausreichendem Schuhwerk, sodaß einzelne Bergleute Feierschichten machen mußten und der Gesundheitszustand sich nach und nach verschlechterte.
Der beste Abbau der Grube im Lager 14 erreichte eine 1,5 m starkes faules Gestein führende Deckelkluft und brach zusammen. Die Erlöse aus der Produktion reichten nicht aus um die Aus- und Vorrichtungsarbeiten in dem notwendigen verstärkten Umfange zu betreiben. Am 23. Juli 1947 wird erstmals der Plan bekanntgegeben, die Abfallverwertung aufzunehmen und zu diesem Zwecke eine Zerkleinerungs- und Mahlanlage zu errichten. Neben Schiefersplittund Gries sollen Schiefermehl und auch Bausteine produziert werden, da zu dieser Zeit in Deutschland ein außerordentlich hoher Bedarf an Schiefererzeugnissen für die Dachpappenherstellung sowie für die bitumenverarbeitende und die chemische Industrie bestand. Bereits 1949 werden mit der noch unvollständigen neuen Anlage über 4000t Schiefersplitt und Schiefermehl hergestellt. Bereits im darauffolgenden Jahr kann der Export aufgenommen werden. Diese Anlage wird in den nächsten Jahren so ausgebaut, daß bereits nach 5 Jahren 10.000 und nach 10 Jahren 20.000 und nach 15 Jahren 30.000 Tonnen Schiefermehl und Schiefersplitt produziert werden konnten Die Preisentwicklung für diese Produkte ist zunächst stetig ansteigend, doch nachdem in Deutschland eine starke Konkurrenz herangewachsen ab 196o wieder rückläufig, sodaß nach 20 Jahren trotz gestiegener Lohn und Produktionskosten weniger Erlös erzielt wird als bei Aufnahme der Produktion.
Zurückblickend auf den Bau dieser Anlage ist noch zu berichten, daß, während die Bauarbeiten gut vorangehen, sich der Belegschaft eine große Erregung bemächtigt, als ihnen aus unerfindlichen Gründen die Bergarbeiterzulagekarten entzogen werden, die seither allen Bergleuten gewährt wurden und nun auf einmal den Schieferbergleuten nicht mehr zustehen sollen. Nach einem acht Tage währenden Streik nimmt sie die Arbeit nur unwillig wieder auf. Die Leistung sinkt spürbar ab und einzelne Arbeiter wandern in den benachbarten Eisenerzbergbau ab, da sie hier bei gleichen Arbeitsverhältnissen nach wie vor in den Genuß der begehrten Zulagekarten kommen.
Im Untertagebetrieb wurde zu dieser Zeit in den Lagern 10, 14, 16 und 19 abgebaut. Über Tage wird ein zweiter Kompressor aufgestellt, eine eigene Transformatorenstation und ein Bürohaus errichtet sowie ein neues Spalthaus in Angriff genommen. Bis 1952 erhöhte sich die Belegschaft bis auf 64 Mann, doch im Dezember dieses Jahres mußten wieder 27 Mann entlassen werden, da infolge des früh einsetzenden Winters in wenigen Wochen der Vorratslagerbestand auf eine 2 1/2 Monatsproduktion angewachsen war. In dem fertiggestellten neuen Spalthaus wurde erstmals die Aufstellung von Spalttischen die Spaltarbeit von bisher im Sitzen jetzt im Stehen ausgeführt. Seit 1953 wurde mit der zeitweise verringerten Belegschaft nur noch im Lager 19 Schiefer gewonnen.
Da alle Kräfte für den Ausbau des neuen Mahlwerkes und seine Versorgung mit Schiefermaterial benötigt werden, geht die Dachschieferproduktion die sowieso kaum noch gewinnbringend betrieben werden kann, von Jahr zu Jahr weiter zurück, bis sie schließlich im April 1964, dem letzten Produktionsmonat mit nur noch 13t völlig zum Erliegen kommt. Damit hat der Dachschieferbergbau, der also 196 Jahre mit Eifer betrieben worden ist, vorerst sein Ende gefunden.
Trotzdem läuft die Gewinnung des edlen Schiefergesteins unter Tage, denn nur solches ist für die Weiterverarbeitung im Mahlwerk zu den begehrten edlen Produkten geeignet, emsig weiter. Lohnsteigerungen und Steigerungen der Kosten aller Materialien, Maschinen usw. machen die Modernisierung der Gewinnungsarbeiten notwendig, denn nur allein durch enorme Leistungssteigerungen können alle Mehrkosten abgefangen werden. Und es ist nicht zum ersten Mal in der langen Geschichte der Grube, daß die Bergleute auch jetzt wieder ihre ganze Kraft einsetzen, um den Betrieb, den sie ja als ihren Betrieb betrachten, am Leben zu erhalten. Sie entwickeln neue Abbaumethoden und setzen alles daran, mit Eifer und Geschick die benötigten Rohstoffe in der erforderlichen Menge nach über Tage zu schaffen.
Sollte wieder einmal eine Zeit kommen, in der wieder Dachschiefer gesucht wird, dann werden im Schoße des Berges am Batzbach dadurch, daß alle Stollen in Betrieb bleiben, die mit dem Berg vertrauten Bergleute diesen wieder gewinnen und ans Sonnenlicht bringen können.
Bilder
Im Mahlwerk
Im Spalthaus
In der Grube
Erläuterung der vorkommenden Maße und Einheiten
| 1 Lachter | 2,0923 m |
| 1 Quadratlachter | 4,378 qm |
| 1 Maaße | 196 Quadratlachter |
| 1 Fundgrube | 784 Quadratlachter |
| 1 Fundgrube mit 1200 Maßen entspricht einem üblichen Geviertfeld und ist 235984 Qadratlachter groß | 500.000 Quadratlachter entsprechen dem heutigen Normalfeld |
| 1 Fuß | 30,48 cm |
| 1 Zoll | 2,54 cm |
| 1 Reiß | 10 nassauische Fuß = 3 m |
| 1 Ruthe | 12 Fuß = 3,7662 m |
| Nassauische Währung: | |
| 1 Gulden | 60 Kreuzer |
| 1 Kreuzer | 4 Pfennig |
| Preußische Währung | |
| 1 Thaler | 30 Silbergroschen |
| 1 Silbergroschen | 12 Pfennig |
Bergbauliche Begriffserklärung
| Abbau | Eer Raum in welchem das Mineral, hier der Dachschiefer, gewonnen wird. |
| Alter Mann | jeder alte liegengebliebene und verlassene Bau. Er kann nur verbrochen oder mit bösen Wettern oder Wasser gefüllt sein. |
| Bauhöhe | Die Höhe zwischen zwei Abbausohlen |
| Belehung | Bergbehördliche Übertragung des Bergwerkeigentums auf den Muter mittels Urkunde. |
| Bewetterung | Versorgung der Grube mit frischer Luft (Wetter). |
| Breitenfeld | In Nassau ein auf Dachschiefer verliehenes Grubenfeld von bestimmter Länge und Breite nach dem Generalstreichen und Einfallen der Schieferschichtung. Lt. Einecke: 84m lang und 20m breit, horizontal an der Oberfläche und ohne Berücksichtigung der Mächtigkeit bemessen. |
| Consolidation | Zusammenlegung, Vereinigung zweier oder mehrerer Bergwerke oder Gruben die aneinander grenzen zu einem Ganzen. Unterliegt der Bestätigung der Bergbehörde |
| Doppelte Maaßung | Maßeinheit zugeteilter Felder, Doppelmaß, zwei Maße. |
| Einfallen | Neigung der Lagerstätte gegen die Horizontalebene des Beobachtungsortes |
| Firste | Die Decke, das Dach, der obere Teil jedes bergmännisch ausgebauten Raumes, jeden Grubenbaus. |
| Fund (Fundpunkt) | Die Stelle an der das Mineral auf dessen natürlicher Lagerstätte aufgefunden worden ist. |
| Gesenk | Unter de Sohle eines anderen Grubenbaues, nicht zu Tage gehend oder auslaufend, blinder Schacht. |
| Gewerke | Beteiligte eines Bergwerkes, einer Grube, Zeche. |
| Gewerkschaft | Die Gesamtheit solche Mitgewerken. Im Gegensatz zu Eigenlöhner oder Alleinbesitzer. |
| Grube, Bergwerk, Zeche | Gesamtheit planmäßig zusammenhängender Grubenbaue, die zu bergmännischen Zwecken hergestellten unterirdischen Räume. |
| Hauer, Häuer | Der eigentliche Bergmann der die unterirdischen herstellt, die Mineralien gewinnt, die Gesteinsarbeit durch Hauen verrichtet. |
| Hora (Stunde) | Teil des Kreises des Grubenkompasses. Dessen Ring. innerhalb dessen die Magnetnadel spielt, in Deutschland nach altem Bergmannsbrauch in Stunden, und zwar in der Regel in zweimal 12 Stunden geteilt, sodaß eine Stunde gleich 15 Grad ist. |
| Kluft | Risse, Spalten im Gestein, unausgefüllte Gänge |
| Mitwerker | siehe Gewerke |
| Querschlag | Ein unter rechtem Winkel auf die Längenrichtung einer Lagerstätte getriebener Schlag (Strecke) |
| Schlägel & Eisen | Das bergmännische Wahrzeichen. Fäustel und Eisen kreuzweise verbunden. Bergwerkswappen |
| Steiger | Unterbeamter der Grubenverwaltung der die Grubenarbeit beaufsichtigt. |
| Sölig waagrecht | horizontal |
| Sohle | Die untere Begrenzungsfläche eines Grubenbaues, im Gegensatz zur Firste |
| Stollenbau | Abbau durch Stollenbetrieb, nur in oder über der Stollensohle. |
| Störung | Jede Abweichung vom normalen Verhalten der Lagerstätte. |
| Stöße | Die seitlichen Begrenzungsflächen von Grubenbauen. |
| Streichen | Die Richtung der Längenausdehnung einer Lagerstätte in horizontaler Durchschnittslinie. |
| Stückerutsche | Ein enger schachtartiger Raum zur Abwärtsbeförderung von Mineralmassen. |
| Unterwerksbau | Unter die Sohle eindringen. |
| Zehnt, Zehnte | Jetzt aufgehobene Bergwerksabgabe an den Landesherren oder Regalinhaber, und zwar entweder in Produkten des zehntpflichtigen Werkes oder in deren Geldwert zu entrichtien. |
Schlußwort
Am Ende dieser langen Geschichte soll nun noch im Jubiläumsjahr der Fleiß und die Ausdauer all derer in Dankbarkeit erwähnt werden,die es mit ermöglichten, daß diese Grube Batzbach ein solch hohes Alter erreicht hat. Dieses Glück ist bei weitem nicht allen Bergwerken beschieden. Oft ist die Lagerstätte schon nach wenigen Jahrzehnten erschöpft, oft sind es auch andere widrige Umstände wie Wasser oder Störungen im Gebirge oder Zeitereignisse, die Bergwerke zum Erliegen bringen. Unser Geburtstagskind, die Grube Batzbach, ist nun nicht von solchen Schwierigkeiten verschont geblieben. Im Gegenteil, sie hat oft schier unüberwindliche Schwierigkeiten meistern müssen. Und daß sie dies tun konnte, war nur durch den Fleiß und die Ausdauer und auch den Opferwillen der hier in der langen Zeit beschäftigten Bergleuten und Unternehmer möglich. Alle, ob Karrenläufer, Hauer, Spalter und Zurichter oder auch Gewerke, blieben ihrer Grube treu, selbst wenn sie zeitweilig keine Arbeit hatten. Sie überwanden alle Schwierigkeiten und paßten sich schnell neuen Verhältnissen an.
Der Schiefergrubenbesitzer Georg Winter schreibt 1879 über den Dachschieferbergbau in der Provinz Nassau:
"Wenn unserem Schieferbergbau in Nassau nicht unbesiegbare Hindernisse entgegengestanden hätten, ware es den Ausländern nicht gelungen, Schiefer von anerkannt geringer Qualität in Deutschland in so großen Quantitäten abzusetzen. Diese Hindernisse bestanden darin, daß der hohen Frachten wegen und bei der Zerrissenheit des deutschen Vaterlandes der Absatz für unseren Schiefer sich nur in engen Grenzen bewegen konnte, daß man in dem größten Teil von Deutschland, namentlich in Nord- und Westdeutschland in den größten Städten weder unseren Schiefer noch unsere deutsche Art der Eindeckung kannte, und sich bei den Architekten und Beamten in Berlin und denjenigen, welche in Berlin ihre Ausbildung erhielten ,ein Vorurteil für ausländischen namentlich englischen Schiefer mit Ausschuß unseres besseren Schiefers und besserer Deckart, wovon man keinen Begriff hatte, vorgeschrieben und zugelassen wurden; daß die ausländischen Schiefer zollfrei in Deutschland eingingen und keine Abgaben, wie sie der Bergbau aufbringen muß, von ihnen erhoben werden; und daß auf mehreren Privatbahnen in Deutschland die ausländischen Schiefer sogar billiger gefahren worden sind als die inländischen. Hierdurch kam es, daß der Absatz unseres besten Schiefers auf ein kleines Gebiet beschränkt bleiben mußte, und der Wert der in 1877 im ehemaligen Herzogtum Nassau im Oberbergamtsbezirk Bonn gewonnenen Schiefer nach amtlicher Feststellung nur 2.027.484 Mark betrug, während 15-18 Millionen Mark für Schiefer ins Ausland gingen."
Winter richtete wiederholt Beschwerdeschriften über diese Mißstände an die maßgeblichen höchsten Stellen und erreichte schließlich, daß in den Ausschreibungen für öffentliche Bauten künftig keine ausländischen Schiefer mehr gefordert werden dürften. Besondere Anweisungen gingen an die königlichen Eisenbahndirektionen und die königlichen Regierungen. Der Generalpostmeister Stephan verfügte sogar, daß auf allen Post- und Telegraphenbauten nur noch Schiefer deutschen Ursprungs verwendet werden sollen und ausländisches Material nur mit seiner Genehmigung ausnahmsweise zur Verwendung kommen dürfe. Aber alle diese Bemühungen konnten nicht verhindern, daß im Laufe der Zeit der Dachschiefer allmählich durch andere Materialien verdrängt wurde. Bis schließlich auch unsere Grube Batzbach in der jüngsten Vergangenheit ihren Betrieb völlig umstellte und den Wissen?bacher Schiefer neuen Verwendungszwecken zuführen mußte. Durch diese Maßnahme ist es möglich gewesen, daß heute noch, während bis auf ganz wenige Ausnahmen alle übrigen Dachschiefergruben im Nassauerland zum Erliegen kamen, Bergleute im Stollen der Grube Batzbach, wie unsere Ahnen vor 200 Jahren, einfahren und Schiefergestein brechen und an das Licht des Tages schaffen. Daß dies noch recht viele Jahre geschehe möge ist unser sehnlichster Wunsch für Land und Leute am Batzbach.
Hierzu dem Geburtstagskind ein herzliches Glückauf!
Danksagung
An dieser Stelle möchte ich mich bei Winfried Krüger vom Heimatmuseum Eschenburg für die Besichtigung des Bergbaumuseums in Wissenbach sowie die überlassenen Unterlagen bedanken. Ohne das Engagement von Herrn Krüger und den Mitgliedern des Heimatmuseums wäre Vieles verloren gegangen.
Der Autor
Heimatmuseum Eschenburg
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35713 Eschenburg-Eibelshausen
Telefon: (0 27 74) 63 08 / (0 27 74) 9 15-0 / (0 27 74) 91 29 08
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