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Sonntag, 05.02.2012 05:22

Die Spatgrube zwischen Frohnhausen und Manderbach

Vom 11. - 15. August 1986 wurden auf der ehemaligen Schwerspatgrube Himrain bei Manderbach (Geol. Karte 1 : 25 000, Dillenburg, Nr. 5215) Schürfarbeiten durchgeführt. Hierfür wurden von der beauftragten Baufirma Heinrich Lauber GmbH, Dillenburg, ein Bagger (3 m Breite) und ein Mehrzweckgerät (Mecalac 11 cx) eingesetzt. 31,5 t Schwerspat wurden für einen Mahlversuch und Auf­bereitungsversuch entnommen. Ober deren Ergebnisse wird berichtet, sobald sie in der Technischen Universität Berlin (Fachgebiet Lagerstättenforschung und Rohstoffkunde) ausgeführt sind.

 

Durch die Schürfe sollte ein genaueres Bild über die Vorräte und Qualität (vor allem im Hinblick auf die Nutzung mangan- und eisenhydroxidreicher Partien) der Lagerstätte gewonnen werden.

  Geologischer Oberblick 

1,5 km nördlich Manderbach sitzt in unterdevonischem Quarzit (Ems-Quarzit) und Tonschiefer ein Schwerspat, Brauneisenstein und Psilomelan führender Gang auf. Sein Streichen beträgt 160 - 170% sein Einfallen 80' W in der Nähe der Tagesoberfläche, 65° W in den tieferen Aufschlüssen. Er wurde bis­her auf 220 m Länge durch bergbauliche Arbeiten untersucht. Auf weitere 250 m soll sein Verlauf durch Lesesteine bekannt sein. In seiner südlichen Verlängerung liegt der Kupferkies führende Quarzgang der Spitzersgrube.

 

Wegen der intensiven Verwachsung war nur ein geringer Teil der Förderung von 20 135 t als Rohstoff für die Farb- und chemische Industrie nutzbar, ein Teil wurde als Zusatz zu Verputzmassen, als Zusatz zu Schwertrüben bei der Steinkohlen-Flotation und als Belastungsspat verkauft.

 Bisherige bergbauliche Aufschlüsse 

Die von 1852 bis 1953 - vor allem von 1854 - 1863, 1903 - 1914, 1922 - 1925 und 1950 - 1952 - betriebene Grube verfügte über 4 Stollen, 3 Überhauen, ferner ein 20 m tiefes Gesenk unter dem Tiefen Stollen. Auf der Halde am Mundloch des Tiefen Stollens stand eine Brecher- und Verladeanlage, die Kopf­station einer zum Bahnhof Frohnhausen führenden Seilbahn sowie ein Maschinen­haus und ein kleines Zechenhaus. Auch ein Becken zum Sammeln des aus dem Stollen austretenden Wassers und zwei Absetzbecken der Spatwäsche sind im Gelände erkennbar.

  Lage der Schürfe 

Die Schürfe sollten den Gangverlauf und eine eventuelle Fortsetzung der Lagerstätte in südlicher Richtung erkunden und Angaben über die Lage und Größe der noch verbliebenen Reserven liefern. An den Halden wurde "Abfallspat' früherer Betriebsperioden entnommen, um einen Aufbereitungsversuch durchführen zu können.

 

Daher wurden der untere der beiden Oberstollen (Stollen III) und ein darun­ter getriebener kurzer Stollen (Stollen II) im Mundloch-Bereich aufgeschürft. Weiter südlich wurde eine Einbruchspinge über Stollen I freigelegt; ein Schurfgraben wurde am Einschnitt des Tiefen Stollens ausgehoben.

 

An der alten Verlade- und Brecheranlage wurden Halden aufgeschürft.

 

Sämtliche Schürfe wurden verfüllt und planiert. Auch ein ungesichertes, über 1,5 m tiefes Wasser-Sammelbecken am Mundloch des Tiefen Stollens wurde auf Wunsch der Gemeinde- und Forstverwaltung verfüllt.

  Ergebnisse der Schürfarbeiten 1. Die Schürfe an den Oberstollen  10 m unter dem obersten Stollen (Stollen IV) liegt der 80 m lange Stollen III (Mundloch bei ca. 473 m NN). Er wurde auf 15 m Länge aufgebaggert. Der hier­bei entstandene Einschnitt war im vorderen Teil 5, dahinter 2 m breit. Über dem Stollen befand sich keine Schwerspat-Schwebe mehr, vielmehr wurde in der letzten Betriebsperiode der Schwerspat bis zur Tagesoberfläche - vielleicht beim Rückbau - praktisch restlos gewonnen. Die Gangspalte soll dort 3 - 5 m breit gewesen sein. 6 m tiefer liegt der angeblich nur kurze Stollen II. An seinem Mundloch liegt eine Bergehalde. Hier wurde die Gangzone in 6 bzw. 8 m langen Baggergräben freigelegt. Sie ist 3,5 m breit und mit zerriebenem, braun anwitterndem Tonschiefer (mit Oberzügen in Eisen- und Manganhydroxiden) erfüllt. Neben­gestein ist gebleichter Tonschiefer des Ober-Ems. Schwerspat wurde nicht beobachtet. Das Gangstreichen beträgt hier 165°. Das Einfallen beträgt nach Grubenakten 70 - 80° W. Die Mächtigkeit des Hangschutts und der Haldenbe­deckung liegt bei 3,5 m. Der Hangschutt besteht vor allem aus Ems-Quarzit.  2. Der Schurf an der Einbruchspange über dem Tiefen Stollen Der Tiefe Stollen ist vom Mundloch her auf 51,5 m Länge eingebrochen. Danach folgen auf 14 m Länge Einbruchspangen. In der Hoffnung, daß diese mit Schwerspat-Abbau zusammenhängen, wurde die westlichste Pinge (62 - 65 m vom Mundloch entfernt) durch ein 4 - 5 m tiefes und 6,5 m langes Baggerloch freigelegt. Unter einer 2,5 m mächtigen Hangschutt-Bedeckung wurde die Gangzone erreicht, die aus zerriebenem Tonschiefer besteht. östlich des Stollens ist - wie nach­brechende Gesteinsmassen zeigen - Bergbau umgegangen; Schwerspatbrocken wurden nicht gefunden. Möglicherweise hängt die Pinge mit dem Vortrieb einer Umbruchstrecke zusammen, da der Stollen dort früher eingebrochen sein soll.  3. Der Schurf am Mundloch des Tiefen Stollens 

Der Tiefe Stollen mündet oberhalb der Halden in einem Einschnitt. Wie der am Beginn dieses Einschnitts angelegte 9 m lange Schurf zeigte, ist die Gangzone 4 m breit und mit Ton (Letten), grusig zerfallendem Quarzit und tonig verwittertem Schiefer erfüllt; die Mineralisation beschränkt sich auf 0,1 m Quarz. Derartiger Quarz war bereits 1860 beim Vortrieb des Tiefen Stollens im Mundloch-Bereich gefunden worden.

 

Das Nebengestein ist Ems-Quarzit, der westlich des Ganges grusig verwittert, östlich des Ganges sehr fest ist. Der Hangschutt wird durch 0,5 - 1,4 m mäch­tige Halden überlagert; das anstehende Gestein fand sich in 3,7 - 4,0 m Teufe.

 

Schwerspat-Bröckchen waren weder in der Gangzone noch im Hangschutt vorhanden. Es hat den Anschein, als sei in dieser Gangzone ein alter völlig verbroche­ner und zugeschlämmter Stollen aufgefahren worden, der älter als der Tiefe Stollen wäre und auf dessen Existenz die treppenförmig abgesetzte Halde hin­deutet.

Westlich des Einschnitts des Tiefen Stollens liegen zwei verbrochene Stollen und Querschläge, durch die im vergangenen Jahrhundert nach Parallelgängen gesucht wurde. Dies war allerdings vergeblich; diese Stollen wurden nur in "Tonschiefer mit Sphärosiderit-Knollen" aufgefahren.

  4. Aufschürfungen an den alten Halden 

Wie kleine Aufschürfungen an den Halden südwestlich der Mauern der ehem. Verladeanlage zeigten, bestehen diese praktisch nur aus Tonschiefer und Quarzit, also Material, das beim Auffahren des Tiefen Stollens anfiel. Schwerspat ist nur in Form einzelner Brocken vorhanden.

 

Vor der Mauer der ehem. Brecher- und Verladeanlage und vor der Kopfstation der ehem. Seilbahn liegen dm-große Spatbrocken, bei denen es sich großenteils um Abfälle bei der Produktion von Stückspat handelt. Von diesem farblich minderwertigen, aber hochprozentigen Schwerspat wurden 31 t für einen Mahl- und Aufbereitungsversuch entnommen. Das Aufmahlen erfolgt beim Feldhaus Schwerspatwerk in Nohfelden-Eisen (Saarland), die Aufbereitungsversuche erfolgen an der Technischen Universität Berlin (Fachgebiet Lagerstätten­forschung und Rohstoffkunde).

 

Der Beton der Mauern und Fundamente enthält als Zuschlagstoff praktisch ausschließlich "Abfall-Schwerspat“, lediglich einige Quarzitbrocken. Von diesem Material sind etwa 100 t vorhanden. Auch hiervon wird eine Probe ge­mahlen und aufbereitet.

 

Sämtliche Schürfe wurden verfüllt und planiert.

  Die möglichen Reserven der Grube Himrain 

Durch die Schürfe, die Auswertung der Archivunterlagen des Bergamts Weilburg, der Kali Chemie AG und der Deutschen Baryt-Industrie und die Aussagen des pensionierten Bergmanns Rudi Hain (Frohnhausen, Hunsbachstraße 42) ist es möglich, Aussagen über die Lage von Reserven zu machen.

 

Leider existiert keine Beschreibung der Lagerstätte durch einen Geologen. Der Gutachter der Kali Chemie AG, J.-G. Zscheked, fand die Grubenbaue ver­brochen vor und stützte sich auf die Aussagen ehemaliger Bergleute. Im Archiv der Deutschen Baryt-Industrie liegt ein Bericht über ein Gespräch mit dem früher auf Grube Himrain tätigen Fahrhauer Kretz (Simmersbach).

 

Nach der Aussage von Herrn Hain "saß der Schwerspat im Verwurf", die Mittel lagen westlich und östlich des Verwurfs, d. h. es waren örtliche Spatmittel an ablaufenden Trümern. Diese waren an den Scharungen bis 12 m mächtig (nach Kretz), zwischen den Mitteln war nur 0,1 m Schwerspat als Führung vor­handen; in unseren Schürfen war die Gangspalte an 3 Stellen sogar völlig taub.

 

Über dem Stollen IV ist der Schwerspat restlos abgebaut. Vor allem in der letzten Betriebsperiode wurden auch, da auch für eisen- und manganreichen Spat Abnahmer vorhanden waren, randliche farblich minderwertige Partien hereingenommen ("es gab keinen Abfall").

 

Über dem Stollen III sollen nach Aussage von Emil Kretz in den ersten 40 m (nicht im Bereich des Mundlochs) noch Reste des Schwerspatgangs vorhanden sein.

 

Über den Stollen II liegen keine Informationen vor; im Mundlochbereich ist der Gang nach unseren Schürfen taub.

 

Vom Stollen I aus war in der Umgebung des Gesenks der Gang um 1924 in 4 Abbauen gewonnen worden. Diese haben nach dem Seigerriß Längen von 15 - 20 m und werden offenbar durch taube Bereiche voneinander getrennt.

Auf dem Stollen I wurde nach den Grubenakten auf 120 m Länge Schwerspat ge­funden, als bauwürdige Länge wird 1925 ein Bereich von 60 m angegeben, was der Länge von 4 Abbauen entsprechen würde. Diese Abbaue wurden bis 18 m über dem Tiefen Stollen betrieben.

 

Die Mächtigkeit des Schwerspats schwankte nach den Grubenakten auf Stollen I zwischen 0,3 und 2,1 m im Süden (südlich des Sprengstoffraums) und erreichte - getrennt durch "wenige mächtige Bereiche" - 5 m. Im Norden zerschlägt sich der Gang in zwei, bis 0,6 m mächtige Trümer, die in 2 Strecken untersucht wurden.

 

Im Gesenk unter dem Tiefen Stollen wurde auf 17 m Teufe "sehr geringwertiger rauher Spat" angetroffen, der rötlich gefärbt und unverkäuflich war. Von der Sohle des 20 m tiefen Gesenks wurde er durch eine 2 m lange Strecke verfolgt, war aber auch dort nicht bauwürdig. Er soll örtlich 4 m mächtig gewesen sein. Zu einem Abbau ist es unter der Stollensohle nicht gekommen.

 

Da in den Schürfen südlich des Stollens II kein Schwerspat angetroffen wurde, kann nur mit dem Vorhandensein der in früheren Gutachten genannten Reserven  unterhalb des Stollens IV gerechnet werden.

 

Die Grubenakten geben unmittelbar vor der Stillegung die bauwürdige Länge auf dem Tiefen Stollen mit 60 m an. Bei einer verbliebenen Abbauhöhe von 15 m und einer durchschnittlichen Mächtigkeit von 3 m ergibt dies einen Vorrat von

           

60 x 15 x 3 x 4        =  10 800 t.

 

Hinzu kommt ein durchschnittlich 3 m mächtiges Restmittel zwischen Stollen III und IV von 25 m Länge, d. h.

 

25 x 8 x 3 x 4          =    2 400 t.

 

Die Vorräte unter der Stollensohle lassen sich nicht beziffern. Die Qualität muß so schlecht gewesen sein (Verquarzung?), daß keine Förderung erfolgte. TEIKE (1952) hatte sie unter Annahme einer Wichtigkeit von 4 m auf 25 000 t beziffert. Diese Zahl, die eine bauwürdige Länge von 80 m voraussetzt, ist mit Sicherheit zu hoch, da sie von einer durchgehenden, nicht durch Ver­taubungen unterbrochenen Schwerspatführung ausgeht.

 

Die hier genannten Vorräte entsprechen der Berechnung von Emil Kretz (1953), der aufgeschlossene Vorräte von 12 000 - 15 000 t angibt. In einem berg­amtlichen Gutachten von 1923 war von 30 000 t die Rede, von denen in der Folgezeit ca. 50 % abgebaut worden sein dürften.

 

Eine Erkundung dieser Restmittel durch Bohrungen erscheint, da es sich um 4 unzusammenhängende, durch Vertaubungen getrennte Restmittel handelt, we­nig sinnvoll.

 

Der Gewinnung dieser Restmittel von 13 200 - 15 000 t müßte der Vortrieb einer neuen, mindestens 100 m langen Rampe oder einer Parallelstrecke zum vollkommen verbrochenen Tiefen Stollen vorausgehen.

  Zusammenfassung der Ergebnisse 

Der Gang der Schwerspatgrube Himrain (Gemeinde Manderbach, Stadt Dillenburg/Hessen), auf dem mit langen Unterbrechungen von 1852 - 1952 mit geringem Erfolg Bergbau betrieben wurde, wurde durch Schürfe untersucht. Eine süd­liche Verlängerung der Schwerspatführung konnte nicht gefunden werden.

 

Der Schwerspat tritt auf dem Gang nicht als durchgehende Mineralisation, sondern in Form von bis zu 5, angeblich sogar 12 m mächtigen Mitteln auf, die an Scharungen mit ablaufenden Trümern gebunden sind. Die bauwürdige Länge der 4 Einzelmittel beträgt 60 m, die sich auf eine Gesamtlänge von 120 m verteilen. Die Reserven von 13 200 - 15 000 t liegen im nördlichen Bereich des Grubengebäudes.

 

Da die alten Stollen verbrochen sind, müßte zu ihrer Gewinnung eine 100 -150 m lange Strecke oder Rampe aufgefahren werden.

 31 t "Abfallspat", der bei der Produktion von Stückspat anfiel, wurden für einen Mahl- und Aufbereitungsversuch entnommen.