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Sonntag, 05.02.2012 04:59

Die Lage eines Ortes ist nach verschiedenen Seiten hin im Einzelnen für seine Verhältnisse bestimmend. So gilt es auch in mehrfacher Hinsicht für Frohnhausen und die Orte der Umgebung: Ganz allgemein gefaßt, dürfen wir unsere Heimat wohl noch zum westlichen Teil Mitteldeutschlands zählen oder rechnen. Das deutsche Mittelgebirge ist in viele Einzelgebirge und -Züge zerspalten und im Gegensatz zum Flachland Norddeutschland und auch nach dem immerhin einheitlichen Gebirge des Südens außerordentlich vielgestaltig. Insbesondere unsere engere Heimat bietet - so interessant es im Einzelnen sein mag - nach verschiedenen Seiten hin dem Verständnis Schwierigkeiten, gibt auch dem zünftigen Forscher einige Nüsse zu knacken. Hier nur ein ganz allgemeiner Blick. Im Einzelnen wird an anderen Stellen näher darauf einzugehen sein. Geologisch gesehen: Rheinisches Schiefergebirge (altzeitlich), in Nähe der Westerwald (Basalttertiär), an manchen Stellen Schwemmland (kenozoisch). Schwierigkeiten bieten dem Geologen vor allem die "Schichtpakete", die Über- und Umlagerung verschiedener Schichten. Darüber später. Unsere Heimat ist in vielfacher Hinsicht ein Zwischen-, Übergangs-, Grenzgebiet. Das hat fraglos geologisch-geographisch eine tiefgehende Begründung. Geographisch: Die Bach- Flußläufe: Dietzhölze, Dill, Lahn, weisen allgemein nach Süden und Südwesten hin. Sie geben, bzw. bestimmen den verkehrsmäßigen Anschluß nach Wetzlar, Gießen, weiter zur Wetterau. Die Richtung geht nach Frankfurt hin, nicht etwa nach Köln als Großstadt. Erst recht nicht nach Kassel. Die Bahnverbindung Betzdorf-Köln läßt die Verkehrsrichtung Köln nicht, wie mancher erwarten dürfte, gelegen sein. (Nach Köln vielfach kein Umsteigen!). Nicht zu trennen von dem verkehrsgeographischen Gesichtspunkt ist der wirtschaftliche. Durch die Eisenindustrie ist eine Verbindung zwischen Sieg-, Dill- und Lahngebiet gegeben, die schon in die graue Vorzeit zurückreicht und uns manche vor- und frühgeschichtliche Zusammenhänge aufklärt. Landwirtschaftlich ernähren sich unsere Ortschaften an der Dietzhölze und Dill nicht selbst voll. Damit im Zusammenhang steht die Doppelbeschäftigung: Landwirtschaft und Fabrikarbeit (s. unten!). Einfuhr ist notwendig. Auf die nachbarlichen Beziehungen sei an dieser Stelle noch etwas näher eingegangen. Unser Gebiet ist landschaftlich durch die Kalteiche und die "Höhe" gegen das Siegerland abgeschlossen. Es hat aber über Haiger und Ewersbach gewisse Verbindung mit ihm, die durch die schon erwähnte Eisenindustrie in früherer und frühster Zeit (Wallburgen) enger war als heute. Noch vor 1-2 Generationen gingen viele Frohnhäuser zwecks Erwerb des Lebensunterhaltes ins Siegerland. Die Löhne waren dort von jeher günstiger. Eine weitere Straßenverbindung besteht mit dem Wittgensteiner. In den beiden letzten Jahrzehnten wurde diese durch eine Privatomnibuslinie verstärkt. Ein Gebirgszug des Rothaargebirges stellt ein schlecht zu überwindendes Hindernis dar, um in das somit abgelegene Gebiet des Sauerlandes zu gelangen. Auch die Beziehung zu der Marburg-Kasseler Gegend tritt zurück. Diese Verbindungen und Beziehungen folgen aus Bodengestalt und Landschaft. Dieses ursächliche Moment spielte naturgemäß in der Vergangenheit eine größere Rolle als heute, doch hat auch der moderne Verkehr noch keine allzuweitgehende Änderung hervorgerufen. Auch verlieren sich gewohnte, altüberkommene Verbindungen und Lebensrichtungen, die vielfach in alten Verwandtschaften, Bekanntschaften, gar im Stammescharakter ihren Ursprung haben, nicht so schnell und leicht. In Bezug auf die freundnachbarlichen Berührungen und Beziehungen der Bevölkerung zu den Nachbargebieten in einer früheren Zeit ist von Bedeutung weiterhin, daß unser angestammtes Grafengeschlecht der Nassauer einen Zweig im Siegerland hatte. Es war in ganz Nassau, die ottonische Linie insbesondere in den heutigen Kreisen der Lahn verzweigt. Mit den Grafen des Westerwaldes (Sayn) und denen von Wittgenstein unterhielten die Grafen von Nassau lange engere Beziehungen. Sie gehörten auch mit diesen zusammen zu dem sog. Wetterauer Grafenverein. Kehren wir noch einmal zu den geographischen Verhältnissen zurück. Zu welcher etwas größeren Landschaft gehört unsere engere Heimat eigentlich? Meist gelten unsere heimatlichen Berge als Ausläufer des Rothaargebirges, doch stößt man auch außerhalb auf die Auffassung, die sie dem Westerwald (über die Dill hinweg) zurechnet. Die Bevölkerung selbst will niemals als Westerwälder angesprochen werden, da nach ihrer Meinung und W. H. Riehls Ausspruch der Westerwald nur von kahlem, basaltigem Felsgestein und den größten Teil des Jahres von Schnee bedeckt ist. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß eine Folge der fraglichen landschaftlichen Zugehörigkeit, der landschaftlichen Eigenart, die Fraglichkeit der Stammesherkunft der Bevölkerung sein mag. Unbeschadet der vorstehend erwähnten geographischen Feststellung muß trotzdem gesagt werden, daß unsere etwas weitere Heimatlandschaft etwa im ehemaligen Dillkreis als dem Flußgebiet der oberen und mittleren Dill zu einer klaren Einheit zusammengefaßt ist. Die Heimatkarte zeigt die reichlich scharfe Abgrenzung durch Gebirge, die Grenzwasserscheide, das zusammenhängende Quellgebiet. Auf die Öffnung nach dem Unterlauf der Dill, der Zugrichtung nach Wetzlar und Gießen wurde schon hingewiesen. Klimatisch gesehen spielt neben den zusammenhängenden, reichbewaldeten Bergen: Struth, Kalteiche, Lahnhofgebiet und Umgegend, Schelderwald, die vor allem größere Niederschläge verursachen die Höhenlage eine Rolle: für Frohnhausen (Bahnhof) 269 m. Diese Höhenlage bewirkt einen nicht frühen Eintritt des Frühlings (3-4 Wochen später als in der Mainebene und an der Bergstraße). Der Talzug wirkt sich ungünstig aus auf Mensch und Pflanzenwelt. Erkältungskrankheiten (Lungenentzündung als gewisse Lokalkrankheit). Die Dahlien erfrieren oft 2-3 Wochen früher als bei der 200 m ungünstigeren Höhenlage etwa des mittleren Westerwaldes (z. B. Breitscheid). Stammeskundlich ist das Dietzhölztal - wie oben schon erwähnt - schwierig festzulegen. Über die germanisch-keltischen Auseinandersetzungen, über die Tenkterer, das Aufgehen dieses Stammes in dem größeren Volksstamm der Franken zur Zeit der Zusammenschlüsse germanischer Völkerschaften wird später näher eingegangen werden. In sprachlicher Hinsicht läßt sich insbesondere aus den bereits klargelegten landschaftlichen Zusammenhängen, ferner aus den stammeskundlichen Verhältnissen verstehen, daß das Dietzhölz-Dillgebiet mehr an das Lahn-Taunusgebiet sich anschließt. - Die Dat-Das-Linie verläuft ganz in unserer Nähe über den Westerwald (bei Rabenscheid) und das Roßbachtal zum Siegerland hin, die Water-Wasser-Linie weiter im Westfälischen. Nach dem Siegerland-Westfalen hin läßt sich eine scharfe sprachliche Scheide beobachten.