Das alljährliche Honigkochen
Nach der Heuernte reiften dann auch die Birnen und Trauben im Garten, die dann verarbeitet werden mussten. Teils wurden sie eingekocht, teils eingefroren oder zu Marmelade, Gelee oder Saft verarbeitet. (Erdbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren rot und schwarz, Himbeeren und Brombeeren).
Jetzt reiften die Mirabellen und Kirschen, welche auch verarbeitet werden mussten. Später wurden auch die Zwetschgen reif. Davon wurde Kuchen gebacken und Honig gekocht. Das Zwetschgenhonigkochen (QUOTSCHEHOING) war zu unserer Jugendzeit ein Ereignis. Es wurden mehrere Körbe Zwetschgen geschüttet und am Abend kamen dann ungefähr acht bis zehn Mädchen in das Haus zum Auskernen. Eine große "Bütte" stand mitten in der Küche. Die Mädchen hatten rund herum Platz genommen. Die Gefäße wurden von Jungen gefüllt und das Auskernen begann. Das geschah mehrmals am Abend in verschiedenen Häusern. Am anderen morgen früh wurde in der Waschküche ein Kupferkessel eingesetzt, der mit den Zwetschgen bis an den Rand gefüllt war. Nun wurde Feuer angemacht Wenn er anfing zu kochen musste ununterbrochen gerührt werden, damit nichts anbrannte. Manchmal dauerte das Kochen bis spät am Abend. Es musste solange gekocht werden bis der Rührlöffel in der Mitte vom Kessel senkrecht stehenblieb - dann war der Honig gut. Die Hausfrau hatte im Laufe des Tages einen großen Zwetschgenkuchen gebacken, der dann von den Beteiligten verzehrt wurde. Der Honig wurde in große steinerne Töpfe eingefüllt und nachher zugebunden. Äpfel und Birnen, die sich über Winter nicht hielten, mussten auch noch verarbeitet werden.

