Das Schlachten
Inzwischen war es kalt geworden und man konnte so langsam an das Schlachten denken. Die sogenannten Hausschlachtungen wurden früher meistens von Schäfer und Kuhhirten durchgeführt. Die hatten dann im Winter alle Hände voll zu tun. Es wurde ein Termin festgelegt. Man musste sich dann erkundigen, wo am Abend vorher das Schlachtgeschirr geholt werden musste und um wie viel Uhr das Wasser heiß sein sollte. Zu dem Schlachtgeschirr gehörte ein großer schwerer Schweinetrog, eine Blutpfanne, vier bis fünf Schellen, ein Hackbrett, ein Fleischwolf und eine Füllmaschine.
Zu der vereinbarten Zeit kam dann am Morgen der Metzger und das Gemetzel ging los. Der Metzger band dem Schwein noch im Stall einen Strick um ein Hinterbein.
Dann wurde es heraus auf den Hof gebracht und an einem Eisenring, der in jeder Hofmauer war, angebunden. Der Metzger stellte sich neben das Schwein und schlug ihm mit einem Holz- oder Eisenhammer auf den Kopf um es zu betäuben. Wenn er richtig getroffen hatte, und das war eigentlich immer der Fall, fiel das Schwein um. Nun stach er in die Halsschlagader um das Blut auszulassen. Später schlug man nicht mehr mit einem Holz- oder Eisenhammer. Wie es auch noch heute der Fall ist, setzte man ein Bolzenschussgerät auf die Stirn und drückte ab. Der Bolzen schlug dem Schwein in den Kopf und betäubte es völlig. Die Blutpfanne wurde zum Auffangen des Blutes benutzt, welches zum Teil für die Blutwurst gebraucht wurde.
Während das Blut auslief, musste immer jemand darin rühren, damit es nicht klumpig wurde. Der Trog wurde auf die Seite gelegt, damit man das Schwein besser hineinbringen konnte. Der Metzger goss einige Eimer heißes Wasser über das Schwein bis die Borsten aufgingen. Dazu bekam jeder der half eine Schelle um die Borsten abzuschaben.
Nach der Schaberei wurde das Schwein am Kopf und den Vorderbeinen hochgezogen, eine Leiter untergeschoben, so dass beides auf dem Trog zu liegen kam. Ein Eimer Wasser wurde darüber geschüttet, jeder bekam ein scharfes Messer und das Schwein wurde noch von den übriggebliebenen Borsten gesäubert und immer wieder mit Wasser abgespült. Der Metzger schnitt an den Hinterbeinen die Flechsen frei und führte das sogenannte Krampfholz ein, das mit einem Strick festgebunden war. Die Leiter wurde nun aufgerichtet und an die Hauswand gestellt. Nun "hing" das Schwein daran. Währenddessen wurde der Kessel wieder gesäubert und mit einem Teil sauberem Wasser gefüllt und heiß gemacht Wenn der Metzger mit seinen Arbeiten fertig war, durfte an dem Schwein nichts mehr gemacht werden, bevor der Fleischbeschauer alles nachgesehen hatte. In der Zeit wurde erst einmal gut gefrühstückt mit guter Butter und Limburger Käs. Wenn die Fleischbeschau durch und alles in Ordnung war, schnitt der Metzger alles was gekocht werden musste ab. Das kam in eine mit Wasser gefüllte große Bütt in der Waschküche, wurde abgewaschen und kam dann zum Kochen in den Kessel. Wenn es dann soweit war, dass man die Schwarte abziehen konnte (das geschah alles auf dem Hackebrett), wurde der Rest in Würfeln geschnitten und den Frauen in die Küche gebracht, welche da mit dem Fettauslassen beschäftigt waren. Mit einer Presse wurde das Fett in große Steingefäße ausgedrückt Alles andere wurde durch den Fleischwolf gedreht und am Abend zu Blut- und Leberwurst verarbeitet. Man legte dem Metzger sämtliche Gewürze und die Zutaten bereit. Die Grieben, die beim Fettauslassen übrig blieben, kamen auch in die Wurst. Jetzt konnte der Metzger seinen Teig, einmal für die Leberwurst, einmal für die Blutwurst, herrichten. Zum Stopfen wurde die Füllmaschine benutzt, Die Würste kamen gleich in den Kessel und der wurde zum Kochen gebracht Dies war gar nicht so einfach, denn wenn der Kessel die falsche Temperatur hatte, platzten die Würste alle auf. Während die Wurst kochte zerlegte der Metzger schon einen Teil von dem Schwein und schnitt ab, was er für die Mettwurst brauchte. Das wurde durch den Fleischwolf gedreht, gewürzt und auch zu Würsten gestopft oder es wurde auch von jeder Sorte eingekocht. Die Mettwürstchen wurden zum Trocknen aufgehängt und dann später geräuchert. Der Metzger zerlegte und schnitt das Fleisch in die gewünschten Teile. Das wurde über Nacht noch einmal zum Trocknen ausgelegt und wurde dann in einer große Holzbütt (FLEOSCHBÜTT) eingesalzen. Die dickere Wurst wurde beschwert und auch geräuchert. Der Schlachttag wurde dann mit einem von den Frauen hergerichteten kräftigen Abendessen beendet. Es gab Metzelsuppe, Kartoffeln, Sauerkraut und frische Leber- und Blutwurst. Nach ungefähr acht Tagen wurde Wasser abgekocht, kalt werden lassen, Salz zugeschüttet und in die Fleischbütt gegossen, bis alles bedeckt war. Vorher wurde natürlich das Fleisch, welches zum Einkochen gedacht war, herausgenommen. Alles was noch in der Bütt war, gab dann das sogenannte Solberfleisch. Nach etlichen Wochen wurde der Speck und die Schinken zum Trocknen aufgehängt. Wenn alles trocken war, wurden die Schinken gerollt und alles geräuchert.
Gut geschlachtet reichte für ein ganzes Jahr. Wenn die Feld- und Gartenarbeiten beendet waren, gab es im Hause noch reichlich zu tun. Hatte man alles, was so im Herbst in der Hetze liegengeblieben war, aufgeholt und erledigt, dann hatte die Hausfrau außer ihren täglich anfallenden Arbeiten etwas anderes zu erledigen: Es wurde wieder genäht, gestrickt und gestopft.

