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Sonntag, 05.02.2012 05:38

Die Schafzucht

In den früheren Jahren hielt sich fast jeder Landwirt ein paar Schafe. Die Herde Schafe ( 500 bis 600 Stück ) wurde von einem Schafhirten geführt und überwacht. Dieser bekam von der Gemeinde einen knappen Lohn gezahlt. Das "Hubgeld wurde von jedem Schafhalter bei den Gemeindenabgaben angefordert Der Schaflütte ging mit seinem Hund am Vormittag die Hauptstraße herauf und pfiff die Schafe aus ihren Ställen. Sodann ging es die Lindenstraße herunter. Die Leute machten die Ställe auf und die Tiere sprangen auf die Straße. Inzwischen kam der Schäfer mit seinen Schäfchen auf der Straße die nach Weidelbach führt bis ans Rathhaus. Dorthin kamen dann die Tiere aus allen Richtungen zusammengelaufen. Zu der Zeit floss der Goldbach noch offen der Dietzhölze zu; an beiden Seiten des Goldbaches waren große Linden gepflanzt. Der Schäfer ging vorneweg und seine Schäfchen folgten ihrem Hirten. Der Hund sorgte dafür, dass alle mitkamen. Alles sammelte sich auf einem großen grünen Platz, dort, wo jetzt die Schulen 1909 und 1952 und das Versammlungshaus des CVJM stehen. Noch etwas weiter stand eine große Eiche. Da hatten Freischlads ihren Zimmerplatz und dort schnitten sie auch das Bauholz; es musste ja noch alles mit der Hand gemacht werden. Von da aus zog dann der Schäfer dahin, wo er an dem Tag weiden wollte. Am Abend brachte er seine Herde wieder ins Dorf zurück und die Schafe suchten sich ihre Häuser. Damals gab es noch keine Autos. Außer Kuh- und Pferdefuhrwerken war auf der Straße nichts zu sehen. Im Frühjahr mussten dann die Schafe und der Schäfer oft mehrere Wochen draußen bleiben. Wer dann seine Äcker gepfercht haben wollte musste sich melden. Derjenige musste dann den Pferch auf den Acker fahren und aufschlagen. Im Laufe des nächsten Tages wurde er dann weiter geschlagen (verrückt), solange, bis sein Acker von dem Schafsmist fertig gedüngt war. Dann holte der Nächste den Pferch auf seinen Acker und so ging es weiter. Der Schäfer musste ja bei seinen Schäfchen bleiben. So übernachtete er währenddessen in der Schäferhütte. Hier war nur ein Bett, Tisch und Sitzgelegenheit. Unter der Hütte war ein Kasten für den Hund. So war es dann auch im Herbst. Jede Nacht kostete 10 Mark. Eine Latte des Pferches war 350 cm lang und 100 cm hoch. An jedem Ende war ein Ring. Die beiden wurden zusammengestellt und durch die beiden Ringe wurde ein Pfahl in die Erde geschlagen. So entstanden verschiedene Felder. Wie viele von den Feldern gebraucht wurde, das gab der Schäfer an. Auf jeden Fall musste der Pferch so groß sein, dass alle Schafe darin Platz hatten. Zwei Felder blieben offen, durch diese liefen die Schafe dann hinein. Das Zumachen war dann abends noch die Arbeit für den Schäfer. Um diese Zeit brachte dann einer der Familie das Abendessen und Futter für den Hund. Am Morgen ging der Schäfer nach Hause um sich zu waschen und zu essen, so dass er um 1022 Uhr seinen Schafen den Pferch aufmachen konnte. Tagsüber wurde dann der Pferch von dem Landwirt weitergeschlagen. So ging das bis alle Äcker durch waren.

Schafe waschen

Wenn Ende Mai gutes Wetter war und das Wasser warm genug, dann trieb der Schäfer seine Herde die Bahnhofstraße herunter bis an den Mühlenweg. Dort, wo später die Firma Guth ihre Halle hingebaut hat, war eine Grünfläche. An dieser Stelle mussten die Schafe in die Dietzhölze. Das war gar nicht so einfach. Die Schafe sträubten sich und wollten nicht ins Wasser. Die Schafhalter mussten dann ihre Schäfchen waschen. Es taten sich immer zwei Mann zusammen. Teils mussten die Tiere mit Gewalt ins Wasser gezogen werden. Wenn dann die Sonne schien und die Wolle wieder trocken war, blieben morgens zwei bis drei Schafe im Stall. Dann wurde geschoren.

Vom Spinnen, der Wolle und der Fa. Braum

Wenn im Herbst die Arbeiten außen herum so ziemlich fertig waren, wurde schon begonnen zu spinnen, so dass wenn es Winter war, gleich gestrickt werden konnte. Es waren ja in jedem Haus ein, manchmal auch zwei Spinnräder. Spinnen und stricken musste in den früheren Jahren schon von Jugend auf gelernt werden. Die Mädchen damals konnten alle spinnen, stricken und weben. Die Frauen hatten Sommer und Winter keine Ruhe da sie alle Handarbeiten selbst verrichten mussten. Das aber wurde dann besser als die Firma R+E Braum 1840 aus der oberen Mühle eine Spinnerei und Weberei machte. Als die Firma dann richtig lief, wurde es für die Frauen etwas besser. Es war doch schon eine enorme Arbeitserleichterung. Das stand den Frauen auch zu. Die geschorene Wolle brachte man nun in Säcken zur Firma Braum. Dort wurde sie gewogen und man konnte entweder soviel Garn mitnehmen, wie die Wolle wog oder auf Schein nach Bedarf abholen. Man konnte für die Wolle auch fertige Stoffe bekommen; sie waren ganz einwandfrei. Nachher war es dann soweit Wenn man einen Anzug haben wollte, konnte man in dem Geschäft Braum in der Marktstraße in Dillenburg den Stoff aussuchen. Er wurde dort auch angemessen. Nach kurzer Zeit konnte man den Anzug abholen. Die Bezahlung war noch etwas anderes als heute. Es wurde gegenseitig verrechnet, was ein jeder brauchte. Die Wolle von Braums sowie auch ihre Stoffe waren in der ganzen Umgegend bekannt. Die Bauersleute kamen mit den Fuhrwerken oder der Eisenbahn bereits morgens früh und brachten Säcke voll Wolle.