Heimberger

Einordnung der Heimberger in die lokale Rechts- und Verwaltungsordnung.

In den frühen Zeiten hatte jeder Gau ein Gericht. Die Bevölkerung wuchs jedoch und die Rechtsfälle stiegen zahlenmäßig an. Es erwies sich als notwendig, die Gaue in kleinere Bezirke (Hundreten, Cente) zu unterteilen, von denen jeder sein besonderes Gericht bekam. Das geschah etwa nach Muster der Kirchspiele. Innerhalb unseres Nassau-Dillenburger Gebietes entstanden so die Gerichte: Haiger, Herborn, Ebersbach, Driedorf, Selbach, (Tringenstein). Diese kleineren Gerichte übten die niedere Rechtsprechung aus. Sie entschieden anfangs nur über Rechtsfälle leichter Art, bewegliches Vermögen betreffend. Den Gaugerichten blieb das Urteilssprechen über Leben, Freiheit und unbewegliches Eigentum. Schließlich bildeten sie sich als gewisse Obergerichte heraus, die für Berufungen der Centgerichte zuständig waren. Spuren dieser Gerichtsteilung und Rechtsprechung haben sich noch lange, mehrere Jahrhunderte erhalten. Nach Vogel konnte von den Sprüchen des Gerichtes in Ebersbach offiziell noch an das Gericht in Haiger appelliert werden, als hier die Herrlichkeit des alten Gaumales schon längst verschwunden war (Arnoldi, Gesch. d. Oran. Nass. Ld. I, 252). Die Grafen übten ihr Aufsichtsrecht über Gerichtspflege und Verwaltung durch ihre Schultheißen. Während diese die Gerichtsverhandlung leiteten, lag den Schöffen als Vertreter der Gemeinde das Richteramt, die Urteilsfällung ob. Vollstreckung erfolgte durch die Schultheißen. Es wird auch hierzu später lokale Beispiele geben. Jedes Gericht oder Amt hatte seinen Schultheißen, daneben noch jede Gemeinde ihren besonderen Vorsteher, ihren Heimberger, in den Städten meist 2 Bürgermeister, die aus den Schöffen genommen wurden (daneben Rat, an der Spitze der Stadtverwaltung). – Oberstes Gericht im ausgehenden Mittelalter war das Reichskammergericht, 1495 durch Kaiser Maximilian eingerichtet. Sitz in Frankfurt/M., später Wetzlar. Ein örtlicher Adelsprozeß wird uns auch noch vor das kaiserliche Gericht führen. Während unseres Zeitraumes wurde das Rechtswesen immer mehr vom römischen Recht durchsetzt. Nach Muster des Reichskammergerichtes wurde schließlich später auch von den Beisitzern der niederen Gerichte verlangt, daß sie Juristen seien. Dadurch bekam das römische Recht, das in vielem dem Volksempfinden widersprach, die Vorherrschaft. Es verdrängte das deutsche Recht immer mehr. Die Kirche wandte schon seit altersher das römische Recht an (hier war sogar Studium in Italien erforderlich). An Stelle der Geldstrafen trat vielfach im Mittelalter die Leibesstrafe. Schwere Verbrechen wurden an Hals und Hand, d. h. durch Hinrichtung oder Verstümmelung gestraft, leichtere an Haut und Haar, durch Ausstäupung, Brandmarkung, Scheren der Haare u. a. Strafen. Dazu kamen noch mancherlei Ehrenstrafen, wie das Hundetragen, verkehrt auf dem Esel reiten, Prangerstrafen usw.