Der Brand von 1778

Der große Brand am 26. Juli 1778

Um das Ausmaß der großen Feuersbrünste, die im 18 Jahrhundert nicht wenige Ortschaften in Nassau-Dillenburg heimsuchten – und einige völlig in Schutt und Asche legten – zu verstehen, müssen wir uns zunächst mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen. Wie konnte es zu solchen katastrophalen Bränden kommen, bei denen oftmals ganze Einwohnerschaften eines Dorfes all ihr Hab und Gut verloren, und nicht selten lediglich das „nackte Leben“ retten konnten? Ein noch vorhandener Plan unseres Ortes (Hauptstaatsarchiv Wiesbaden) aus der Zeit vor dem Brand zeigt uns, wie eng viele Gebäude – Wohnhäuser, Stallungen und Scheunen – zusammenhingen. Diese verschachtelte Anlage Frohnhausen vor dem großen Brand des Dorfes, dazu das verwendete Baumaterial gaben einem Feuer, wenn es nicht schon im Stadium seiner Entstehung erfolgreich bekämpft werden konnte, reichlich Nahrung. Fachwerk und das damit verwendete Füllmaterial aus Holz, Stroh und Lehm bildeten für die Flammen kein Hindernis. Ganz zu schweigen von den strohgedeckten Dächern. Wehte dazu noch der Wind aus einer ungünstigen Richtung, wurden durch Flugfeuer die umliegenden Häuser gleich in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kamen meist enge Straßen – oder besser gesagt Gassen – die keine klare Führung erkennen ließen, sondern sich mehr oder weniger um die Gebäudegruppen herumwanden und so ein übergreifen des Feuers auf weitere Ortsteile begünstigten.

Und wie sah es mit der Versorgung an Löschwasser aus? Die in den Häusern, bzw. auf den Höfen befindlichen Brunnen schieden bei einem Großbrand als Spender des so dringend benötigten Löschmittel wohl weitgehendst aus, da günstig gelegene Häuser ja selber gefährdet waren und die sicher nicht allzu ergiebigen Wasservorräte zur Sicherung des eigenen Anwesens Verwendung fanden. Sicher führen Wasserläufe durch den Ort, die aber oft ungünstig verliefen und nicht immer in der gebotenen Eile zu erreichen waren. In dem oben erwähnten Plan von Frohnhausen erkennen wir drei Wasserläufe. Einen ungefähr in Richtung der heutigen Rathaus- und Bahnhofstraße, einen zweiten aus dem oberen Dorf (nach Wissenbach etwa in Richtung der Hauptstraße verlaufend und in der Nähe der Kreuzung Haupt- Bahnhofstraße in den ersteren einmündend. Der dritte Wasserlauf, außerhalb des Ortes – ähnlich dem Mühlbach – parallel zur Dietzhölze durch den Wiesengrund verlaufend, spielte wohl schon von seiner Lage her bei einem Brand, wenn dieser nicht in unmittelbarer Nähe war, keine Rolle mehr. Große Ortsteile waren also recht weit vom Wasser entfernt. Dies betrifft in erster Linie den unteren Ortsbereich, das „Unterdorf“. Wie mögen sich unsere Vorfahren gemüht und geschunden haben, um ausreichende Wassermengen an die Brandstelle zu schaffen? Und mußten dann trotz aller Mühe letztendlich feststellen, daß aller Arbeitseinsatz umsonst war. Wir, die wir unser heutiges Löschwesen mit all seinen Einrichtungen und technisch-fortschrittlichen Geräten und Möglichkeiten für selbstverständlich halten, können uns wohl kaum vorstellen, welche Anstrengungen die Brandbekämpfung den Menschen damals abverlangte. Daß man sich auch in dieser Zeit um den Brandschutz bemühte, ist selbstverständlich. Durch die Errichtung von Spritzen- und Leiternhäusern wurde schon ein wesentlicher Beitrag geleistet. Bereits aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg kennen wir die ersten Feuerlöschordnungen, die später, 1750 durch die Nassauische, 1751 durch die Nassau-Weilburgische und 1757 durch die Oranien-Nassauische ergänzt und vielleicht auch verbessert wurden. Schon aus früheren Gemeindeordnungen erfahren wir daß Auswärtige, bei Einheirat lederne Feuereimer abzuliefern hatten. Ob dies alles aber bei Brandkatastrophen größeren Ausmaßes viel Nutzen brachte, ist fraglich.
Die Frohnhäuser Feuerspritze, unter der wir uns nur eine sehr einfache Druckspritze vorstellen dürfen, die über Eimer ständig mit Wasser versorgt werden mußte, lag schon nach einer knappen halben Stunde als Ruine auf der Brandstätte, war also unbrauchbar. Die kleineren Nachbarorte waren nicht im Besitz einer Spritze und das Heranschaffen der Dillenburger gestaltete sich äußerst schwierig. Durch ihr hohes Eigengewicht, dazu die schlechten, unbefestigten Zufahrtswege erwies sich die Anfahrt derart mühsam, daß die wackeren Helfer erst eintrafen, als unser Dorf schon niedergebrannt war. So mußten die Löscharbeiten erfolgen, wie Schiller es in seinem Lied der Glocke trefflich schildert: Durch der Hände lange Kette um die Wette, fliegt der Eimer. – Hoch im Bogen spritzen Quellen, Wasserwogen! Es mußten also fast alle Einwohner aufgeboten werden und konnten doch gegen die Macht des Feuers nichts ausrichten.

Aus den Akten erfahren wir, daß der 25. Juli 1778 ein sehr heißer Tag war und die Schwüle selbst nach Sonnenuntergang nicht nachließ. Da zu dieser Zeit viele Einwohner an den Blattern erkrankt waren, spielten die noch gesunden Kinder auf dem Zimmerplatz von Meister Freischlad und viele Einwohner saßen noch lange vor ihren Häuser auf den Treppen. Später, als man sich noch nicht lange zur Ruhe begeben hatte, vernahm man fernes Donnergrollen und bald darauf zog aus den Dahlen ein schweres Gewitter heran und entlud sich über dem Ort. Es regnete zwar nur wenige Tropfen, aber kräftig aufkommender Wind vertrieb die Schwüle und brachte angenehme Abkühlung. Nachdem die Naturgewalten sich ohne Schaden anzurichten ausgetobt hatten, begab man sich zur wohlverdienten Ruhe. Sicher nicht ohne den Vorsatz am nächsten Morgen, einem Sonntag, besonders zahlreich den Gottesdienst zu besuchen.

Lassen wir über den Verlauf des Geschehens einen Augenzeugen berichten. Pfarrer Knoell teilt der Fürstl. Landesregierung mit:

Es ware den 26ten Julii als Gott der große Richter über die
Gemeine Frohnhausen sein gerechtes Gericht des Feuers ergehen
ließ. Es war eben des Vormittags halb elf Uhr, als wir das
Haus des Herrn verlassen und ich über Coloss. IV, V 2 gepre-
digt hatte; als das Feuer in einer Scheuer des Gemeinds=Mann
Philipp Cunz des jüngeren ausbrache, wie aber, ist allen un-
bekannt. Die mehrsten glauben, daß es seye angestecket
worden. Das Feuer nahme in solcher Wuth überhand, daß um 12 Uhr Mit-
tags das gantze Dorf schon in Asch und Schutt ware verwandelt
worden. Wenige Gebäude, nämlich 7 Scheuern, 1 Hauß, die ober-
ste Mühle und 3 andere neben Gebäude ausgenommen. Alle Pfarrgebäude, nebst dem Pfarrhaus wurden ein Opfer der Flammen – und leider selber die Kirche! Die Glocken zerschmolzen von der Hitze der Flammen – und keine Möglichkeit der Errettung ware vorhanden.

Die mehrste Gemeindsglieder zogen hierauf nach der Kirchspielsgemeine Wishenbach, andere nach Manderbach, etliche nach Dillenburg, Nanzenbach und Oberroßbach und wurden mit vielem Mitleide aufgenommen.

Den Sonntag darauf, als den 2ten August hielt ich über den überauß betrüblichen Gegenstand eine so genannte Brand-Predigt aus Hesekiel Cap. VII, V 9 „Mein Auge soll dein nicht
schonen“ – woraus ich vorstellte: Die Menge der Gerichten
Gottes über ein sündhaftes Volk, samt deren Endzweck. Vor der
Predigt wurde gesungen das Lied: Kommt ihr traurigen Gemüther
– nach der Predigt aus dem Lied: Umsonst mein Herz betrübst
du dich V 2 u. 3. Die Anzahl der Zuhörer aus den benachbarten
Örtern war überaus groß. Collecten wurden gesamlet 59 fl 19
alb 6 Pf. Zum Lobe Gottes seye gesagt, daß kein Mensch im Brand ums Leben gekommen ist. Drey Stück Rindvieh verbrandten.

Von gnädiger Landesobrigkeit wurden gleich die Veranstaltungen getroffen daß den Verunglückten mit Lebensmitteln und Furage für das Vieh höchstgeneigt geholfen wurde – welche Lebensmitteln dann auch so wohl von gnädiger Landesherrschaft, als auch von anderen Städten, besonders Dillenburg, und anderen Gemeinden des Fürstenthums Dillenburg sehr reichlich eingingen.

Der Prediger zoge mit dem größten Theil seiner Gemeine nach
Wishenbach, wie oben erinnert, und wurde von Herrn Sergeant
Weihsenbruch gütigst mit seiner Frau und Magd aufgenommen.

Noch ist hierbey zum Gedächtnis aufzuführen, Daß die Brand-Predigt auf der Seite von Frohnhausen nach dem Herrschaftlichen Wald zu, auf den so genannten Goldbachswiesen, gehalten wurde. Gott seye uns gnädig, und erbarme sich seines Volks, das Er in seiner Gerechtigkeit heimgesuchet hat!

Wishenbach, den 6. August 1778 J. E. Knoell

Soweit Pfarrer Knoell. Die Dillenburger Intelligenz-Nachrichten berichten in ihrer Ausgabe Nr. 31 vom 2. August 1778:
Unglücksfall. Am verwichenen Sonntag, als den 26. v. M. ist
in dem Dorfe Frohnhausen, Amts Dillenburg, morgens zwischen
10 und 11 Uhr in einer Scheune plötzlich Feuer ausgebrochen,
wodurch in Zeiten von etlichen Stunden 128 Häuser und unge-
fähr ebenso viele Scheuern nebst vielen Mobilien, Hausrat,
Früchten, Fütterung in die Asche gelegt und dadurch die dasi-
gen Einwohner in äußerste Armut und Elend versetzt worden“.

Insgesamt fielen dem Feuer 128 Häuser und 122 Scheunen zum Opfer. Amtmann Rühle gibt in einem Bericht vom 19. Oktober 1778 den entstandenen Schaden mit 66.465 fl. an für assekurierte (versicherte) Gebäude und 300 fl. für im Bau befindliche, nicht assekurierte. Den Verlust an Mobilien, Vieh und Futtermittel beziffert er auf 16.972 fl.

Über die Entstehung des Brandes ist er der Ansicht: Das Feuer, welches in einer am Ende des Dorfes liegenden Scheuer ausgekommen ist, scheint durch eine Entzündung von dem abends zuvor gewesenen schweren Gewitter entstanden zu sein… Diese Meinung teilt jedoch die Landesregierung nicht, weil das Feuer erst 10-12 Stunden nach dem Gewitter ausgekommen war – und veröffentlicht in den Dillenburger Intelligenz-Nachrichten vom 5. September 1778 daraufhin folgenden Aufruf:

Nachdem aus den seit kurzem besonders zu Frohnhausen und Oberroßbach entstandenen Feuersbrünsten mit vieler Wahrscheinlichkeit zu vermuten ist, daß selbige durch Mordbrenner angelegt und daher zu deren Entdeckung alle ersinnliche Aufmerksamkeit zu verwenden ist, so hat die Fürstliche Landesregierung mittels hohen Reskripts vom 29. des. vor. Monats August gnädig zu vernehmen geben, daß demjenigen, welcher einem solchen Abschaum von Bosheit der Obrigkeit zu entdecken und selbige zu dessen Habhaftwerdung in Stand stellen würde, wenn er auch ein Mitschuldiger und nicht Rädelsführer wäre, unter Verschweigung seines Namens eine Belohnung von Einhundert Gulden aus der Herrschaftlichen Kasse gereichet und im Fall, daß er ein Mitschuldiger, zugleich von aller Strafe befreit werden solle.

Selbstverständlich fand sich auch bald jemand, der diese Prämie gerne für sich gewonnen hätte und in Gegenwart des Landjägers so anschaulich schilderte, wie das Feuer durch Unvorsichtigkeit entstanden sein könne, daß dieser ihn selbst als mutmaßlichen „Brandstifter“ bei der Regierung anzeigt. Darauf beklagt man sich gegenseitig vor Gericht. Da der Beschuldigte der Regierung als Schlichtmeister zu seinem Vorteil bekannt ist, hält man ihn einer solchen Tat für nicht fähig. Der Verdacht der Mordbrennerei ist damit zwar erledigt, der Beleidigungsprozeß wird jedoch fortgeführt, da der betreffende Bürger in seiner Wut über die Unterstellung den Landjäger beleidigt hatte. Schließlich kam es zu einem Vergleich der ihn verpflichtete seine eigenen Kosten und die des Landjägers zu einem großen Teil zu bestreiten. Seinem sicheren und gewandten Auftreten vor Gericht verdankt er, daß es nicht zu dem nach seiner Meinung Allerschlimmsten, der Veröffentlichung in der Zeitung kam. Nach seiner Meinung würde, wenn dieses geschähe, kein vernünftiger Mensch sich mehr bemühen, schleunigst zur Brandstätte zu eilen und als erster mit den Löscharbeiten zu beginnen, wie er es getan habe. Er bemerkte dazu daß er fast seinen guten Ruf eingebüßt, viel Ärger gehabt hätte, statt einer Belohnung, die ihm zustehe. Außerdem habe er viel Geld ausgeben müssen, welches er zum Neubau seines Hauses viel besser angelegt hätte. Ob dennoch ein Brandstifter ausfindig gemacht werden konnte, ist nicht bekannt.

Nachdem die Obdachlosen auf die umliegenden Ortschaften aufgeteilt waren und selbst der Besitzer des einzigen unversehrten Hauses dieses verlassen hatte (dieses diente als Unterkunft für die erforderlichen Beamten, sowie Lager für eingehende Spenden), setzten mit bewundernswerter Genauigkeit die Maßnahmen der Landesregierung ein. Sicher hatte man aus vorangegangenen Bränden in Nanzenbach, Wissenbach und Haigerseelbach gelernt und einige Erfahrung in der Organisation gesammelt. Schon am 28.7. läßt Amtmann Rühle ein Schreiben an die Heimberger aller Gemeinden des Amtes Dillenburg verteilen in dem diese aufgefordert werden, am nächsten Morgen zu erscheinen, um die notwendigen Aufräumungsarbeiten unter die Gemeinden zu repartieren (verteilen). Die Regierung ordnet an: Da der Weg von hier (Dillenburg) nach Frohnhausen und besonders von der Totenkirche bis zum Nebelsberg fast inpraktikable geworden ist ohnumgängliche Notdurft fordert, daß solcher sowohl in der allgemeinen Rücksicht der Brauchbarkeit, als auch in der besonderen wegen der Aufbauung des Dorfes Frohnhausen, so befehlen wir, daß solcher sofort in den rechten Stand gesetzt werde. Sofort nach dem Brand wurde das Kreisbataillon der Dillenburger Garnison zur Brandstätte beordert, um diese zu bewachen und die gerettete Habe der Bewohner zu schützen. Es ist denkbar, daß hierbei viel Bier und Branntwein getrunken wurden, welche die Regierung auch sofort in gehörigen Mengen bereitstellte, und daß es durch den hohen Alkoholkonsum auch zu Reibereien und Handgreiflichkeiten kam. Glücklicherweise ist man bereits nach zwei Tagen in der Lage die Mannschaften des Kreisbataillons auf einen Gefreiten und sechs Mann zu reduzieren.

Einige Frohnhäuser Bürger, unter ihnen Heimberger Stolz und Schulmeister Medenbach, bitten um Erlaubnis eine Nothütte errichten zu dürfen, um den Wiederaufbau zu verfolgen und auch tatkräftig mit Hand anzulegen. Außerdem soll eine Schankstätte zur Verköstigung der vielen Handwerker angegliedert werden. Diese Erlaubnis wird ihnen auch erteilt, jedoch mit der Einschränkung, daß sie sich verpflichten müssen, diese Nothütte nach erfolgtem Aufbau des Ortes wieder zu entfernen.

Der an Amtmann Rühle ergangene Auftrag über die Räumung der Brandstelle, welcher ihm im Auftrag der Fürstl. Landesregierung durch Rat von Preuschen zugestellt wurde enthält gleichzeitig die Aufforderung, die Brandstelle durch Hauptmann von Pfau neu vermessen zu lassen. Außerdem wird um eine Ortsbesichtigung durch Bauinspektor Sckell und Klärung, wo der Bauschutt abgelagert werden soll gebeten. – Eine Beschwerde mehrerer Heimberger an die Landesregierung geht dahin, daß 40 Driedorfer Untertanen verheimlicht wurden und die Dillenburger Bürger nicht zu den Aufräumungsarbeiten erschienen. Bezüglich der Dillenburger erwidert Rühle, daß der Gerichtsschöffe Schmidt sich erinnert, daß die Dillenburger noch nie bei solchen Anlässen auswärts Hilfe geleistet hätten und auch als sie selber abgebrannt seien, jeder Hausbesitzer seinen Schutt in den Lindenweg gefahren habe.

Es ist verständlich, daß man bei dem Ausmaß des Brandes auch auf Spenden aus allen Teilen des Fürstentumes dringend angewiesen war. Schon am 28.7.1778 fordert die fürstl. Landesregierung die Ämter Haiger, Herborn, Burbach und Dillenburg in einer Verfügung zur Hilfe für die Abgebrannten auf. Eine gleiche Verfügung ergeht am 3. August an die Ämter Beilstein, Hadamar, Mengerskirchen, Rennerod, sowie das Unterdirektorium Siegen. Gleichzeitig wird den Frohnhäuser Einwohnern das private betteln um Unterstützung strengstens verboten. Da die Anfuhr von Naturalien oft mit großen Schwierigkeiten verbunden war, sollen die Spenden in Geld erhoben werden.

Die daraufhin eingehenden Spenden verteilen sich wie folgt:

1. Hadamar: Amtmann von Schenk hatte unaufgefordert unter Adligen,
Pfarrern, Lehrern, Apothekern usw. eine Sammlung durchgeführt
und schickt am 31.7. 19 Gl 25 Alb

2. Die Genehmigung der Landesregierung vorausgesetzt will die Ge-
meinde Driedorf in herrschaftlichen Gehegen Gras mähen und das
Heu den Abgebrannten zur Verfügung stellen. Dies wird unter
Aufsicht des zuständigen Forstbediensteten erlaubt.

3. Haiger: Amtmann Spieß teilt am 8.8.1778 die Ansicht der Untertanen
in seinem Amt mit, nach der dieBrandgeschädigten schon größten-
teils aus der Brandkasse entschädigt würden, zudem während des
Brandes in erster Linie auf die Rettung ihrer Mobilien aus waren
und sich nicht an den Löscharbeiten beteiligten. Daraus resultiere
das geringe Mitgefühl und die kleine Beisteuer die in seinem Amt nicht
aus Geld bestehe, sondern aus 249 Laib Brot, Korn, Gerste, Hafer,
Bohnen, Erbsen, Linsen, Speck, Käse, Leinen, Heu und Stroh.
Auch fehlt der Hinweis nicht, daß Manderbach seinen Beitrag in der Auf-
nahme von 154 Personen und 101 Stück Vieh sehe.

4. Rennerod: Amtmann Schenk sendet am 16.8. 49 Gl. 20 Alb. 1 Kr.

5. Hadamar: 2. Samml. durch Amtmann v. Schenk 45 Gl. 28 Alb.

6. Herborn: (Stadt und Land) Amtm. Reichmann schickt ein Verzeichnis
über Frucht und Fütterung, könne diese aber wegen fehlendem Lager-
raum nicht in Frohnhausen anfahren. Verspricht Geldkollekten in entfernteren Orten durchzuführen.
Geldspende 65 Gl. 34 Alb. 2 Kr.

7. Aus einer Sammlung unter guten Freunden spendet ein fürstl.
Geheimrat Harmann aus Frankfurt am 20.08.1778 30 Gl.

8. Beilstein: Amtmann A. Chelius berichtet, daß sein Amt keine
Geldspende aufbringen könne, verspricht jedoch aber Fourage und Brot, jedoch ohne Anfuhr.

9. Hadamar: Amtm. von Schenck sendet nochmals eine Spende und empfiehlt ein Dankschreiben an das Collegial-
stift zu Dietkirchen. 25 Gl.

10. Siegen: Amtm. Dreßler schickt am 5.8.1778 aus der Dienerschaft, 57 Gl 6 Alb weist aber darauf hin, daß, bedingt durch Erntearbeiten, aus 4 Ämtern und der Stadt Siegen die Kollekte noch ausstehe.

11. Siegen: Amtm. Dreßler sendet am 18.8. 26 Gl. 59 Alb.
12. Siegen: Amtm. Dreßler schickt am 19.8. gesammelt durch den Amtm. v.
Netphen 67 Gl. 1 Alb. 3 Kr.

13. Siegen: am 21.8. sendet Stiftrentmeister Kohl, in Siegen wohnhaft,
von Stift Keppel 15 Gl. und auf eine Bittschrift an Fräulein von Baumbach (Äbtissin) 8 Gl. 7 Alb. 4 Kr.

14. Siegen: Eine Sammlung unter den Advokaten ergab 12 Gl. 20 Alb. 2 Kr.

15. Mengerskirchen: Amtmann Muzelius überweist als erste Rate am 24.8. 21 Gl. 20 Alb. 2 Kr mit dem Hinweis die noch ausstehenden Gemeinden habe er gemahnt, es sei aber besser mit der Kollekte bis nach der Ernte zu warten, da die Bauern zu diesem Zeitpunkt mehr Geld besäßen.

16. Frohnhausen: ein am 25.8. von Pfarrer Knöll gehaltener Brand-gottesdienst brachte eine Kollekte von 59 Gl. 20 Alb.

17. Burbach: Amtsvogt Hofmann läßt am 1.9. durch einen herrschaftl. Reitknecht überbringen und sagt Naturalien zu 185 Gl. 5 Alb. 3 Kr.

Salchendorf: die Gemeinde schickt an Amtmann Rühle 10 Gl.

Burbach: die Gemeinde hat mit zu dieser Summe beigetragen 36 Gl. 19 Alb.

18. Hadamar: Amtm. v. Schenk sendet erneut 12 Gl. 29 Alb.

19. Heimberger Stolz erhält von den Gemeinden Herborn und Dillenburg 102 Gl. 24 Alb. 2 Kr.

20. Dietz: Amtm. Schramm sendet aus der Grafschaft gespendet von Militär- und Zivilbedienten u. d Bürgerschaft am 4.9. 82 Gl. 44 Alb mit dem Hinweis daß die Gemeinden Niederneisen, Flacht, Holzheim und Staffel nichts dazu beigetragen hätten – ihr Anteil sei nach der Brandsteuer hoch genug. Eine weitere Kollekte von Kirchen- und
Schulbedienten kündigt er an.

21. Dietz: am 7.9. sendet er erneut 25 Gl. 1 Alb.

22. Mengerskirchen: Amtm. Muzelius sendet erneut am 15.9. 17 Gl. 5 Alb.
Weitere Gelder von Mengerskirchen, Wilsenroth, Langendernbach, Frickhofen werden in Aussicht gestellt.

23. Siegen: (Unterdirektorium) Amtm. Dreßler sendet am 15.9. nachstehende Beträge:
a) Amt Siegen 88 Gl. 18 Alb. 5 Kr.
b) Amt Hilchenbach 77 Gl. 25 Alb.
Nachtrag 2 Gl. 46 Alb.
c) Amt Freudenberg 61 Gl. 15 Alb. 7 Kr.

24. Hilchenbach: durch den dortigen Amtmann gehen ein am 24. 9. 77 Gl. 25 Kr.

25. Freudenberg: Amtm. Diesterweg sendet an das Unterdirektorium
Siegen am 4.9. 61 Gl. 15 Alb. 7 Kr.

26. Müsen: Spende der Gemeinde am 7.9. 2 Gl. 26 Kr.
Amtm. Pagenstecher fordert zu einer 2. Sammlung auf um diesen
Betrag zu erhöhen und überweist nochmals 2 Gl. 26 Kr.

27. Siegen: Spende des fürstl. Amtes 88 Gl. 8 Alb. 5 Kr.

Am 10.9.1778 spricht die fürstl. Landesregierung dem Amtsvogt Hofmann von Burbach und dessen Aktuarius Jungblut ihr besonderes Lob aus für ihre eifrige Unterstützung während der Erhebung der Kollekten. – Lieutenant Johannes Cunz, ein Bürger unserer Gemeinde, erhält die Erlaubnis der Landesregierung, um bei den reformierten Gemeinden der Stadt Frankfurt eine Kollekte zu erheben. Es wird darauf hingewiesen, daß diese beiden Gemeinden sich bei vorausgegangenen, ähnlich gelagerten Fällen sehr spendenfreudig und unvergeßlich gezeigt hätten.

Sicher waren die abgebrannten Gebäude zum größten Teil verassekuriert. Aber dennoch war die Not so groß, daß diese und gewiß noch viele weitere Spenden, unseren Vorfahren mit über die ersten Sorgen hinweghalfen.

Aus dem Bericht von Pfarrer Knoell konnten wir entnehmen, daß keine Menschenleben zu beklagen waren. Dies heißt jedoch nicht, daß das Unglück ohne Personenschäden verlief. Bei dem Versuch wenigstens einen Teil ihrer Habe zu retten, kam es sicher zu mancher, auch schwereren Verletzung.

Stellen wir uns den Zustand der Menschen nach einer solchen Katastrophe vor. Oft hatte man Jahrzehnte hart gearbeitet um etwas aufzubauen und stand nun vor einem Trümmerhaufen. Wen wundert es da, daß gar mancher der Verzweiflung nahe war und die Welt nicht mehr verstand? Versuchen wir uns einmal vorzustellen, welch traurige Szenen sich abgespielt haben mögen! Darüberhinaus waren auch etliche Kranke, und vor allem an Blattern erkrankte Kinder zu versorgen.

So beauftragt Amtmann Spieß (Haiger) den Amtsphysikus Fritzen mit der Versorgung der Beschädigten. Schon am 30.7. berichtet er, daß er sich am 29.7. auf den Weg nach Manderbach machte und dort die Einwohner Hees und Jung als Brandbeschädigte vorfand. In Frohnhausen fand er weitere vor und auch einige Kranke in Wissenbach. Unter ihnen die schon vorher erkrankten Schaffner und Bernhardt die zwar nicht beim Brand verletzt wurden, nach seinen Worten aber besonderes Mitleid verdienen, da zu ihrer Krankheit noch zu bedenken ist, daß sie mit abgebrannt sind und Schaffner wegen seiner seltenen und wichtigen Krankheit besonderer Hilfe und Kontrolle bedarf. Auch weist er auf die an Blattern erkrankten Kinder hin. Er gibt zu bedenken, daß bei Verlegung der erkrankten Kinder, die Blattern sich im ganzen Amt ausbreiten könnten und bei der herrschenden Hitze, der mangelhaften Pflege und schlechten Nahrung durchaus bösartig werden könnten.

Alle Kranken und Verletzten wurden durch ihn versorgt und mit Medikamenten versehen. Eine Liste der Patienten fügt er bei und fragt an, ob weiterhin kostenlos Arzneien zur Verfügung gestellt werden sollen. Auch bei Verschlimmerung des Zustandes bei Blatternkrankheit, um einer möglichen Epidemie vorzubeugen. Hinsichtlich der Medikamente verspricht er auf größte Sparsamkeit zu achten.

Einen guten Überblick über Ausmaß der Verletzungen und Art der Krankheiten erlaubt uns ein Schreiben des Amtsphysikus, welches er der Landesregierung zustellte:

Pro Memoria
15. Sept. 1778

Fürstliche Landes Regierung haben unter dem 30… a.o. zu genehmigen geruht, daß außer denen bey dem Frohnhaeuser Brand am Leibe Beschädigten, auch die andern Hülfsbedürftigen Kranken dieses Ortes mit den nöthigen Arzneyen versorgt werden solten: und ich habe die Ehre, hiemit wen dieses befolget worden, schuldigsten Bericht zu erstatten.

Es hat die Anzal derer patienten, welcher Gesundheits Umstände durch den Brand gelitten haben, sich auf 31 belaufen. Unter diesen ist Joh. Jung von Manderbach am Gesicht und Händen stark verbrannt gewesen, Hees daselbst war am Knie, und der Schulmeister von Frohnhausen an der Nase beschädigt. Kuntzen Tochter ist am Arm und auf dem Brust Bein stark gequetschet worden; und Johann Georg Heins Wittib hat nach einer starken Contusion ein heftig Geschwulst am Knie gehabt. Grenadier Graeffs Frau ist als eine frische Kindbetterin krank worden. Banfs Frau hat abortiert. Und Johann Georg Müllers Frau hat nach einer frühzeitigen Niederkunft von 7 Wochen an einem mit einer heftigen Diarrhoe verbundenen Kindbetter Fieber gefährlich krank gelegen. An Augenentzündungen und anderen Zufällen nach denen Blattern, die durch den langen Aufenthalt unter freyem Himmel nach dem Brande sind verursachet worden, hat man Schneider Hammermüller 3 Kinder zu besorgen gehabt. Albert Krentzer Wittib eine 73 jährige Frau, verfiel nach dem Schrecken in eine völlige Entkräftung und ihre Tochter, die sonst die Epilepsie hat, bekam ihre pasosysmos stärker als gewöhnlich. An Magenkrämpfen, hysterischen beängstigenden Zufällen waren krank Christian Zimmermanns Frau, die Habichten, Heusers Frau und Krentzer; und bei Johann Jost Graeben verheirathet und ledigen Tochter gingen diese Zufälle bis zu einem nicht geringen Grade der Melancholie. Henrich Bastian war mit einem bösen Hals befallen, Conrad Medebach mit Engbrüstigkeit und Husten. Jacob Bernhardt der schon einige Zeit an der Schwindsucht bettlägerig gewesen, bekahm durch die Übergewalt, die er sich beim Entfliehen gegeben hatte eine Verschlimmerung seiner Zufälle, man konnte ihm kaum Linderung verschaffen, und er starb nach einigen Tagen (am 3. August im Alter von 60 Jahren). An gallichtem Erbrechen und Diarrhoen sind Heinrich Althausen Kind, Reichmanns Kind, Joh. Jost Müller, Philipp Henrich Bastian und Hammermüllers Kind curiert worden. Friedrich Schaffner, ein schon 4 jähriger Kranker, der den Beinfras an dem Wirbelbein der Lenden und ein fistulöses Geschwür in der Seite hat und mit Genehmigung Fürstl. Landesregierung dem Chirurgo Becker zur Behandlung ist übergeben worden, ist eine kurze Zeit von ihm mit Medicamenten besorget und verbunden worden, er will aber sein Schicksal nunmehro abwarten.

Allen diesen patienten, habe ich mit Rath und That unentgeltlich assistieret: die mehresten aber mit freyen Medicamenten versorget. Wie es nun die Notdurft erforderte diese patienten dann und wann selbst zu besuchen, so habe ich dieses auch nicht allein bey vorfallenden Gelegenheiten verrichtet; sondern auch einige Tage expreß hierzu verwenden müssen. Ich habe mir die Freiheit genommen, diese Tage in der Beylage zu Spezifizieren; und die Anweisung zur Zahlung dieser Diaeten und Auslagen Rechnung will ich hiermit unterthänig gehorsamst erbitten.

Alsdann habe ich auch die Rechnung von den Medicamenten die zu diesem Behuf von dem Apotheker Meder unentgeltlich sind geliefert worden, in gleichmäßiger Absicht beyzufügen nicht ermangeln wollen.

Dillenburg, den 14. September 1778

gez. Fritzen.

An Fürstliche Landes Regierung
Auch hier stellen wir wieder fest, daß der Fürstl. Landesregierung sehr am Wohl ihrer Untertanen gelegen war. Sie reagiert noch am gleichen Tag (30.7.) auf die Anfrage des Amtsphysikus Fritzen und ordnet an, daß nicht nur die durch den Brand verletzten, Auch hier stellen wir wieder fest, daß der Fürstl. Landesregierung sehr am Wohl ihrer Untertanen gelegen war. Sie reagiert noch am gleichen Tag (30.7.) auf die Anfrage des Amtsphysikus Fritzen und ordnet an, daß nicht nur die durch den Brand verletzten, sondern auch die übrigen Kranken, ärztlich versorgt werden.

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