Wissenbacher Schiefer

Zweihundert Jahre Wissenbacher Dachschiefer 1768 – 1968

Nur wenige Kilometer nordöstlich der Oranierstadt Dillenburg liegt im Dietzhölztal am Fuße der Eschenburg das bei Bergleuten und Geologen gut bekannte Dörfchen Wissenbach. Bekannt durch seine Schiefer, die mit dem Namen Wissenbacher Schiefer in die geologische Literatur eingegangen sind.
Schon vor langer Zeit hatten die alten Bergleute im Wissenbacher
Raum entdeckt, daß in dem unterhalb der Eschenburg zu Tage tretenden Gestein Schieferbänke eingebettet waren, die sich vorzüglich zur Herstellung von Schiefersteinen für die Dachbedeckung eigneten. Wagemutige Einwohner von Wissenbach gingen schließlich daran, im Jahre 1768 in kleinen Brüchen diese Schieferbänke freizulegen und mit den zu dieser Zeit zur Verfügung stehenden einfachsten Hilfsmitteln die Steine zu gewinnen um sie nach entsprechender Weiterverarbeitung als Dachschiefer zu verkaufen.
Der Fürstlich-Oranien-Nassauische Bergsekretär Johann Philipp
Becher berichtet 1789 hierüber:
Die Schieferbrüche sind zwischen drei und vier Lachter tief und Stollen führen die Wasser ab. An den Schiefern ist nachher unter den Stollen noch niedergegangen, worin man die Wasser mit einer Pumpe zu Sumpf hält.
Das Schieferbrechen weicht von der gewöhnlichen, und anderwärts schon beschriebenen Methode nicht besonders ab. In das vierte Teil oder die Hälfte einer Bank, je nachdem sie stark
ist, werden eiserne Keile getrieben so daß solche just da bricht, wo sie eine der Klüfte durchschneidet. Ist sie auf diese Weise losgetrennt, und liegt auf der Sohle, wird sie weiter mit Keilen in solche Stücke gespalten, die sich in einem Karrn aus der Grube transportieren lassen. Am Tage geschieht hernach das Zerteilen und Reißen, so weit, bis sie Form und
Größe der zum Dachdecken gebräuchlichen Schiefersteine haben.
Nachher werden sie auf der Halde in Reiße gestellt, wovon jedes
  1 Schuh lang ist, und für 36 Kreuzer verkauft wird.
Es genügt jedoch nicht, sich einfach der Steine zu bemächtigen. Nein, in dieser Zeit schon stand die Schiefergewinnung ebenso
wie der übrige Bergbau in dem Nassauer Land unter der Hoheit des Landesherren, der schon am 1. September 1559 eine Bergordnung erlassen hatte, die auch für den Raum Dillenburg maßgebend war. Da der Bergbau im Dillenburger Land in hoher Blütestand, war durch Verordnung vom 12. März 1765 für die Oranien-Nassauischen Lande in Dillenburg eine Berg- und Hüttencommissionals untere Bergbehörde eingesetzt. Dieser Commission mußtenauch die Betreiber der Schieferbrüche laufend manche Angabenüber die Gewinnung und Verwertung des Schiefers, die Unkosten und den Ertrag sowie über die Bergleute selbst und auch überbesondere Ereignisse im Betrieb machen. Die Betriebe wurden durch regelmäßige Befahrung durch den Bergmeister oder seine
Beauftragten überwacht und die verantwortlichen Betriebsbeamten zu diesem oder jenem angehalten.
Auch die Auferlegung von Bußgeldern bei Nichtbeachtung der Bergordnung oder ergangener Anweisungen blieb oft nicht aus. Dank dieser Verwaltung, die uns gründliche Aufzeichnungen hinterlassen hat, können wir heute erfahren, welche Arbeiten in den letzten zwei Jahrhunderten bei Wissenbach am Hang des Satzberges sowiedes Lampertsberges, unweit der Eschenburg durch fleißige Bergmannshände verrichtet worden sind.