Dreschmaschine

Jetzt kümmerte man sich bei der Dreschmaschine um einen Termin. Je nach Witterung musste die Frucht acht bis vierzehn Tage auf dem Feld stehen bleiben, damit sich alles restlos ausdreschen lies. Wenn dann der Tag kam, an dem man einen Termin hatte, wurden am Tage vorher meistens zwei Wagen Frucht nach Hause geholt Mit dem Erntewagen half man sich untereinander aus. Ein Wagen wurde meistens gleich zu der Maschine gefahren. Der andere und der kleine Wagen, welcher mit Rechen, Gabel, Besen und Säcken beladen war, wurde von zu Hause mitgenommen. Zu der Zeit brauchte man beim Dreschen mindestens zehn Männer.

Ein Mann warf die Garben auf die Maschine, ein Mann schnitt die Bündel auf und einer machte um die Maschine herum sauber. Vor der Maschine wurde das abgedroschene Stroh, welches auf Sen sogenannten Tisch rutschte, von einem Mann etwas gerichtet und zu Bündeln ge­formt. Dort mussten die Bündel abgenommen und zweimal mit dem Stroh gebunden werden. Dann warf man sie zur der Seite auf einen Haufen. Wenn ein Wagen leer war wurde er vorgezogen und zwei Männer fingen an Stroh zu laden. Wenn der zweite Wagen leer war, ging es da gleich weiter. Wenn dann um die Maschine herum alles gekehrt und die Maschine leergelaufen war, kam der Nächste an die Reihe und fuhr mit seinem Wagen zu der Maschine. Meistens arbeitete man weiter ohne die Maschine zwischendurch abzustellen. Damit der Nachfolger Platz bekam, musste vor der Maschine so schnell wie möglich alles geräumt werden. Es war eine schwere Arbeit; jeder musste sein Bestes geben. Meistens war es so, man kann es ruhig sagen, dass keiner noch einen trockenen Faden auf der Haut hatte. Um so erfreulicher war es dann, wenn die mit Korn gefüllten Säcke auf den kleinen Wagen geladen wurden, auf dem alles was damit hergebracht worden war, auch wieder mit nach Hause genommen wurde. Die Arbeiten an der Maschine wurden meistens von Männern ausgeführt, die einfacheren Arbeiten vor der Maschine verrichteten die Frauen. Da nun so viele Männer gebraucht wurden, half man sich unter Geschwister und Verwandten gegenseitig aus.

So kam es schon vor, dass man mehrmals am Tage an der Dreschmaschine arbeiten musste. Das Stroh wurde in der Scheune abgeladen und das Korn auf den Speicher getragen. Ein paar Tage später wiederholte sich derselbe Vorgang noch einmal. Dann war man froh und dankbar, dass das Korn wieder so reichlich eingetragen hatte und das Jahresbrot (JOHRBRUT) wieder gesichert war. Der Weizen wurde auch reif und musste geschnitten werden. Das war nicht so schlimm, es war nur ein Acker. Der Ertrag reichte für das Weizenmehl und der Rest wurde an die Hühner verfüttert. Geld für Hühnerfutter war nicht da. Das alles war der gleiche Vorgang wie beim Korn. Jetzt reite sich eine Arbeit an die andere. Hafer und Gerste mussten geschnitten werden. Das hatte nur den Unterschied, dass die Gärbchen nur einmal gebunden und nur vier Gärbchen zusammen gestellt wurden – sonst war alles wie beim Korn. Bei günstigem Wetter begann man Grummet zu machen. Dies verlief dann alles so, wie schon beim Heumachen erwähnt.

Auch mussten in der Zeit die Beeren und Trauben im Garten gepflückt, eingekocht und zu Gelee und Saft verarbeitet werden. Die Getreidefelder waren inzwischen abgeerntet, da sagte man früher: „Jetzt wird es Herbst, es weht der Wind durch die Stoppeln.“ Die Herbst- und Frühjahraussaatmusste ja jetzt schon geplant und eingeteilt werden. Die Acker, die in diesem Jahr Hackfrucht trugen, wurden im Herbst mit Korn und Weizen besät. Da die Rutenzahl (1 Rute = 25 m2) nicht ausreichte, wurde gleich von den abgeernteten Kornäcker ein dem entsprechend großer Acker mit Mist voll gefahren und untergeackert, damit sich die Erde setzen und etwas verwittern konnte. Auf den Acker kam dann wieder Korn, das nannte man Stoppelkorn. Der Mist, welcher im Sommer und Herbst noch anfiel, wurde auf die Acker gefahren, wo im Frühjahr Kartoffeln gepflanzt wurden. Das hatte den Vorteil gegenüber den im Frühjahr gedüngten Acker, dass sich der Mist im Laufe des Winters dem Erdreich mitteilen konnte.

Autor: Friedrich Wilhelm Bernhardt

Pseudonym für Friedrich Wilhelm Bernhardt (*06.02.1913, †10.12.1993) Ein geschätztes Mitglied der Frohnhäuser Gemeinde. Außer seinem Engagement als Haupmann der Freiwilligen Feuerwehr Frohnhausen verfasste er etliche Dokumente zum zeitgenössischen Leben. Danke an Hiltrud für die Daten.