Frühling

Der Frühling kommt! Krokusse in allen Farben blühen auf; goldgelb leuchten die Osterglocken. In frischem Grün entfalten sich überall Blätter aus ihren Knospen. Bald ist es wieder soweit. Eine neue Jahreszeit bricht an.

„Haar hoid – Hüü furt – Haar rem und Hoid rem“
(links – rechts – links herum und rechts herum)

Diese Sprache war jedem Kind in Frohnhausen bekannt. Schon im Vor­schulalter mussten die Kinder kräftig mithelfen. Zum Beispiel wenn beim Ackern ein Acker angefangen und beendet wurde, so dass es eine gerade Furche gab, wurden die Kühe am Mittelkettchen geführt, wobei so manche Kinderhand wundgescheuert und mit einem Schubs von einem Kuhhorn ge­zeichnet wurde. Wenn nach der Schneeschmelze im Frühjahr die Fluren etwas abgetrocknet waren, wurden die Wiesen von Maulwurfshaufen und allem Unrat, der sich so im Laufe des Winters angesammelt und angeschwemmt hatte, geräumt, damit man beim Mähen im Sommer mit diesen unangenehmen Dingen nicht in Konflikt kam (WEESE REMME). Nun konnte man so langsam mit der Arbeit beginnen. Der kleine Wagen wurde gesäubert, wenn nötig gestrichen; das Geschirr für die Kühe auf Hochglanz gebracht. Es gab noch so allerhand zu tun. Eine alte Bauernregel sagt: „Lichtmess – der Bauer bei Tage ess“. Dann kalbt die Kuh, dann legt das Huhn, dann ist noch hier und da zu tun.“ Wenn im Frühjahr die Sonne scheint, sind Felder und Wege schnell abgetrocknet. Die Kühe, die den ganzen Winter im Stall gestanden hatten, müssen sich nun wieder an das Gehen gewöhnen.


So war es an der Zeit, dass am nächsten Nachmittag die erste Fahrt sein sollte. Der kleine Wagen wurde im Hof bereitgestellt und eine Kuh nach der anderen an die Deichsel geführt, angekettet und eingespannt. Wenn alles fertig war, konnte man losfahren. Nach einer guten halben Stunde hatten sich dann die Kühe an die ungewohnten Bewegungen gewöhnt und man konnte wieder nach Hause fahren.

Es war doch ganz klar, dass jeder Viehhalter die am besten gepflegten und gefütterten Kühe vor den Stall bringen wollte. Wenn es Ende März / Anfang April die Witterung erlaubte, begann man Hafer zu säen. Selbst um diese Jahreszeit gab es ab und zu eine Schneeschauer, so dass man stehen bleiben musste, weil man nicht sehen konnte wo man den Samen hinwarf.

Eine alte Bauernregel sagt:

„Hafer untergeklabet – Gerste untergestabet.“ Gerste wurde gesät, wenn der Weißdorn blüht und der Acker abgetrocknet war. Gerste sowie Hafer wurden kurz nach der Aussaat gewalzt oder geklopft, damit der Acker beim Abmähen vollständig eben war. Ein mit Hafer besäter Acker wurde vor dem Walzen (ebnen der Erde auf dem Acker) noch mit Kleesamen besät. Dieses war dann für ungefähr zwei Jahre der sogenannte Kleeacker.

So ein Kleeacker hatte den Vorteil, dass man zweimal im Jahr, kurz nach der Heuernte und im Herbst, den Klee als Grünfutter für die Tiere ernten konnte. Bei günstiger Witterung war der Klee dann im nächsten Jahr schnell wieder so groß gewachsen, dass man ihn bereits im Frühjahr schon wieder abmähen konnte. Da die anderen Ortschaften im Gegensatz zu uns leichteren Boden hatten, fing bei ihnen die Feldarbeit acht Tage früher an. Der schwere Boden bei uns hatte den Vorteil, dass der Ertrag nach einem trockenen Sommer höher war. Inzwischen waren die Acker weiter abgetrocknet und die Felder wurden für das Kartoffelsetzen bestellt Das heißt sie wurden geackert, geeggt und voll Mist gefahren, soweit dieses im Herbst nicht geschehen war. Da die Kartoffeln einen warmen und trockenen Boden brauchen, konnte erst Ende April / Anfang Mai mit dem Kartoffelsetzen begonnen werden. Nach dem Setzen sollten die Äcker mindestens acht Tage in Ruhe gelassen werden, bis sich die Erde etwas gesetzt hatte, so dass man darauf treten konnte. Dann wurden die Äcker geeggt. Wenn man die Reihen von den gepflanzten Kartoffeln sehen konnte, wurde mit dem Hackflug schnell einmal durchgefahren, damit das Unkraut im Wuchs etwas gestört wurde.

Jetzt war eine längere Spanne Zeit bis zum Heumachen. In dieser Zeit musste der Krautacker bestellt und mit Dickwurz (ROMMELN) und Gemüse bepflanzt werden. Das Brennholz wurde aus dem Wald abgefahren und auf Ofenlänge geschnitten. Dies musste in früheren Jahren noch alles mit der Hand geschehen. Letzteres hat dann aufgehört als Elektrizität in unser Dorf kam. Die beiden Wagner hatten Bandsägen und die Mühle Jung eine Kreissäge. Das war schon eine Erleichterung. Auch dabei blieb es noch nicht. Später fuhren zwei Holzschneidemaschinen von Haus zu Haus. Man fuhr das Holz auf den Hof; dadurch wurde das ständige Auf- und Abladen gespart. – Es waren immerhin vier bis sechs Meter! Jetzt wurde das Holz mit dem Beil verkleinert, damit es durch das Ofentürchen passte. Das gehauene Holz musste dann auf dem Hof solange liegen bis es trocken war, so dass man es “ unter Dach und Fach “ bringen konnte, denn wenn es noch nass war, schimmelte es. Der Hof musste bis zur Heuernte vollständig frei sein.

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Autor: Friedrich Wilhelm Bernhardt

Pseudonym für Friedrich Wilhelm Bernhardt (*06.02.1913, †10.12.1993) Ein geschätztes Mitglied der Frohnhäuser Gemeinde. Außer seinem Engagement als Haupmann der Freiwilligen Feuerwehr Frohnhausen verfasste er etliche Dokumente zum zeitgenössischen Leben. Danke an Hiltrud für die Daten.