Kraut und Korn

Jetzt war es an der Zeit, dass sich wieder um die Kartoffeln gekümmert werden musste. Man ging, wenn nötig, noch einmal durch die Reihen, um die Kartoffeln vom Unkraut zu säubern. Danach wurde eine Kuh vor den Kartoffelpflug gespannt und die Kartoffeln wurden so hoch behäufelt, dass man sie bis zur Ernte nun in Ruhe lassen konnte. Jetzt war auch der Kraut­acker soweit, dass die Dickwurz gehackt und das Gemüse behäufelt werden musste. Wenn ein trockener, heißer Sommer war, konnte schon Ende des Monats Juli mit dem Kornschneiden begonnen werden. Auf Äckern mit leichterem Boden war das Korn zuerst reif Die Männer brachten von den verschiedenen Äckern zwei bis drei Ähren mit nach Hause. Wenn die Ähren reif schienen, wurde beschlossen, dass nun in zwei bis drei Tagen das Korn­schneiden beginnen sollte.


Alle verfügbaren Leute, die zu Hause waren und helfen konnten, gingen mit auf dem Acker. Wenn am Nachmittag keine Schule war, mussten auch die Kinder mit zum Ähren lesen, denn es durfte nichts von dem kostbaren Brotgetreide umkommen. Es war ja wunderschön durch das wogende Kornfeld zu gehen. Am Acker angekommen, sah man nach welcher Seite sich das Korn geneigt hatte. Nun wurde mit Mähen begonnen. An dem Sensenwurf (FRECHTE SAAS) war ein Bügel angeschraubt, der mit einem Tuch oder mit einem dichten Draht überspannt war. Das sollte bewirken, dass sich die gemähte Frucht gegen das stehende Getreide legte. Dies konnte dann mit einer Sichel zusammengerafft zur Seite gelegt und zu Garben (SICHLING) zusammengebunden werden. Wenn man mit Binden bei war, fing man schon mit zwei Mann an aufzustellen. Eine Garbe kam in die Mitte und von vier Seiten wurde eine Garbe zugestellt, unter den Ähren zusammengebunden und schon stand der Stock. Vier Garben wurden dann in die jeweiligen Lücken gestellt und das Ganze noch einmal fest zusammengebunden. Nun stand der sogenannte HAUSTE. Die Hausten wurden längs des Ackers je nach Breite des Grundstückes in mehreren Reihen aufgestellt. Der ganze Acker wurde gerecht, dann ging man noch einmal über den ganzen Acker und las die abgebrochen Ähren auf.

Autor: Friedrich Wilhelm Bernhardt

Pseudonym für Friedrich Wilhelm Bernhardt (*06.02.1913, †10.12.1993) Ein geschätztes Mitglied der Frohnhäuser Gemeinde. Außer seinem Engagement als Haupmann der Freiwilligen Feuerwehr Frohnhausen verfasste er etliche Dokumente zum zeitgenössischen Leben. Danke an Hiltrud für die Daten.