Alte Flurbezeichnungen

Alte Flurbezeichnungen und deren Lage

Alte Flurnamen & ihre Lage

Lageplan

  1. Zangelrausche. Der Name hat nichts mit Sang und Klang oder
    gar mit der Zange zu tun. Es besteht ein Zusammenhang mit
    roden, abholzen, urbar machen, „sengen“. Die Flur liegt gar
    nicht weit vom Walde ab. Mit dieser Arbeit ist auch der
    zweite Wortteil leicht in Zusammenhang zu bringen. Die
    Zangelrausche liegt übrigens unmittelbar an der Dillenburger
    Gemarkungsgrenze. Sie dürfte vermutlich auch hinübergreifen.
    – Wiesen.

2. Die Langoor. Weit ist dieses ansteigende Land eigentlich von
unserem Dorf nicht entfernt. In sprachlicher Hinsicht könnte
man an ein Wehr- oder Verteidigungsgelände denken. Heute
Äcker.

3 Die Hirschwiese. In unserer Heimat soll es vor vielleicht
zweihundert Jahren noch Hirsche gegeben haben. – Wiesen in
Dietzhölz- und Waldnähe.

4. De ennerste Meehl. Noch im vorigen Jahrhundert gab es in Orts-
und Bachnähe 2 Mühlen, de Ennnerste und de Ewwerste Meehl.
Als kurz vor der Jahrhundertwende die „Ennerste Meehl“
zum Stillstand kam, entstand hier an dieser Stelle das
Meckels-Werk. Auch es hatte keinen langen Bestand. Bald
ließen sich hier die Gebr. Weiss, Kessel- und Apparatebau
nieder.

5. Beim Steinbruch. An der anderen Dietzhölze- und Bahnseite.
Hier wurden längere Zeit zur baulichen Verwendung Steine ge-
brochen.

6. Inner der Lehmkaute. Heute ist hier, wo zu lokalem Gebrauch
Lehm gegraben wurde, der Friedhof angelegt.

7. Vier der Gewann. Früher könnte hier in Dorfnähe ein Ackerge-
lände gewesen sein. Der Name dürfte darauf hindeuten. Heute
sind hier Wiesen.

8. Der Notkeil. Hier zwischen dem früheren Ortseingang und dem
Mühlgraben, beiderseits dieses kleinen Wasserlaufes, konnte
man, wenn die Not am Mann war, schnell einmal einen kleinen
Wagen oder eine Karre Gras fürs Vieh holen.

9. Im Broil (Brühl). Hier war früher wegen der Tieflage sehr
feuchter Boden. Das entnehmen wir gar dem Namen schon. Es
dürfte wohl nach dem Brand (1778) gewesen sein, als ein noch
nicht schulfähiger Junge im Brühl ertrank. In der ganzen
Dietzhölztalung gibt es noch manche Fluren, deren Namen auf
große Bodenfeuchtigkeit hinweisen.

10. Onnerm Meehlgrowe. Wiesen, hier bedarf es keiner Erklärung!

11. I der Scheuersches Wees. Jeder Name dürfte als Grund für sein
Gewordensein irgendeinen jeweiligen Anlaß haben. Man könnte
sich denken, daß hier an diesem Ort auf einer Wiese kleine
Feldscheuergebäude gestanden hätten. Doch kann man hier ein-
mal in die Irre gehen.

12. Im Waasegorte. In Fortsetzung der Brühlstraße in Bachrichtung
Die frühere Broilfeuchtigkeit setzt sich heute bei einer
leichten Entwässerung auch im Waasegorte fort. Es ist hier
ein in früherer Zeit sumpfiger Rasen = „Wasen“: feuchte bis
sumpfige Wiesen.

13. Im Wörth. In Dietzhölznähe. Der Begriff „Wehr“ = durch Steine
gestaute Wasserfläche, ist hier namensgebend. Es ist da zu
finden, wo der Boden etwas höher liegt.

14. Der Wörthsrain. Weiter aufwärts, an der entgegengesetzten
Seite des Bahndammes. Hier nähern wir uns dem Wald, der frü-
her noch weiter herunterreichte. Ein Rain war früher ein
kleines, privates Waldstück am Waldausgang. Der Name Wörths-
rain ist sicher in Beziehung zu Nr. 13 entstanden. Bei allem
ist zu bedenken, daß sich zwischenzeitlich die Landschafts-
formen verändert haben.

15. Im Gerech. Heute bebautes, stärker ansteigendes Gelände. Hier
eine sicher zutreffende Erklärung zu geben dürfte schwer sein.

16. Bei der Schulhennersch Hall. Eine Familie die Schulhenner
(Henner = Heinrich) genannt wurde, hat hier vor etwas länge-
rer Zeit Grabungen vorgenommen. Doch der gewünschte Erfolg
blieb aus. Die Gesteinshalde hat noch lange sichtbare Spuren
hinterlassen.

17. Im Seife. Hier war ein kleiner Wasserlauf, der aus dem steil
aufsteigenden Bergland herunterfloß. Dort wo das Wasser
hervorquoll, befand sich angeblich der für Kinder sagenhaft
gezauberte „Seife-burn“, in dem die Kleinen vor ihrer Geburt
sich aufhielten.

18. Die Burnweese. Das waren wasserreiche, früher sumpfig-feuch-
te Wiesen.

19. In der Schlagwiese. Ein ganzes Stück dietzhölzaufwärts. Ob
hier irgendwie eine Schlagsperre sich befand?

20. Das Meehlpädche. Früher kürzte man aus dem Oberdorf den Weg
zur Mühle ab, oder auch die Bergleute, die auf dem Gruwwepäd-
che frühmorgens auf ihre Arbeit wollten und aus dem Oberdorf
kamen, benutzten schnell dieses Meehlpädche. Heute dürfte es
wohl nicht mehr existieren.

21. Bei der Ewwerste Meehl. Diese Mühle hat noch eine ganze Reihe
von Jahrzehnten ihren Dienst getan. Aber die Gegenwart mit
ihren besonderen Verhältnissen, Arbeit und Ernährung betref-
fend, war die Ursache, daß auch die „Oberste Mühle“ die Tä-
tigkeit einstellen mußte. Im Gegensatz zur „Ewwerste Meehl“
ist die „Ennerste“ (die „Unterste Mühle“) schon sozusagen al-
len aus der Erinnerung geschwunden.

22. Der weiße Burn. Wie auch in „de Burnweese“ (Nr. 18), stand
auch hier das Wasser oft frei zutage. Das Begleitwort „Weiße“
soll sicher das Gesagte noch verstärken.

23. Im Baamgorte. Hier war schon früher eine hervorstechende
Obstbaumbepflanzung.

24. Bei der steinernen Brücke. Fälschlich auch „Steinbrücke“ ge-
nannt (s. Nr. 79). In früherer Zeit waren die Brücken meist
primitiver gehalten.

25. Im Weiher. Es waren feuchte Talwiesen. Seit Jahrzehnten hat
man sich verständlicherweise intensiver um Abfluß und Trocken-
legung bemüht.

26. De Aal Heeg (Hecke). Sie wird nicht selten mit der Ewwerste
Heeg verwechselt. Bezüglich unserer Flurnamen haben wir es
mehrfach mit Heegen (Hecken) zu tun (Beispiel: 73 u. 80). Das
Roden geschah einst nicht so rasch. Sträucher und Baumbewach-
sung blieben immer wieder da und dort stehen. Die noch
bewachsenen Kleingelände versprachen wegen des Bodens wenig
Ertrag. Von der alten Siedlung Frohnhausen meist weiter ab-
liegend, überließ man sie nur sich selbst. Diese Hecke, nicht
ganz so fern liegend, nicht groß, beachtete man nicht weiter.
Es war eben die „Aale Heeg“. Die gewachsenen Verhältnisse
können wir uns heute gar nicht mehr in ihrer Wirklichkeit
vorstellen. Nach und nach aber hat man dann auch diese wilden
Stellen von Bäumchen und Sträuchern befreit, weil man doch an
den „Überbleibseln“ Anstoß nahm. So waren es noch wenige Hee-
gen, die aber nun namengebend wirkten. Geringschätzig erhielt
diese denn ihre Namensbezeichnung. Manche Frohnhäuser
bezeichnen diese Hecke auch als die „Ewwerste Heeg“, aber
nicht zu Recht. Die richtige dieses Namens ist und bleibt die
unter Nr. 80. Da sollte keine Verwechslung vorkommen. Das
recht verständlich zu machen und zu betonen, hat bei dieser
Arbeit keine geringe Mühe gemacht.

27. I der Wolweshaan (Wolfsau oder Wolfshain). Die Wiesen liegen
etwas mehr zurück. Es ist sicher erwiesen, daß es um die vo-
rige Jahrhundertwende (1800) in unserem Waldraum noch Wölfe
gab. Die Dillenb. Int.-Nachr. dieser Zeit beschreiben uns
mehrfach, daß in den ausgetriebenen Schweineherden (!) ein-
zelne Schweine von Wölfen aufgefressen worden seien.

28. I de Meehlweese. Feuchte Wiesen, von der Mühle aus zurücklie-
gend.

29. Hennerm Parrwald. Er gehörte früher der Frohnhäuser Pfarrei-
Kirche.

30. Auf dem vorderen Omerland. Über den Namenssinn ist nichts zu
erfahren.

31. Der Omerlandsraan. Waldwiese, an bzw. auf der Wissenbacher
Grenze. Die Einzelstücke werden sicher Privatbesitz sein.


wird fortgesetzt….